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Dickes Japan

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Ein bisschen Bauchspeck: Wann steht sein nächster Gesundheitscheck an? (flickr/trushu)

Kein anderer Staat geht so rigoros gegen die Fettleibigkeit vor wie Japan. Seit April 2008 gibt es ein Gesetz, welches das sogenannte «Metabo»-Phänomen bekämpft. «Metabo» ist eine Abkürzung, die vom englischen Fachbegriff «metabolic syndrom» stammt und eine Kombination von Gesundheitsrisiken wie Übergewicht, hoher Blutdruck und Blutfettwerte umschreibt, die das Risiko eines Herzinfarkts oder Hirnschlags sowie auch für Diabetes markant erhöhen.

So schreibt das neue «Metabo»-Gesetz einen maximalen Bauchumfang für Angestellte über 40 Jahre vor. Für Männer bedeutet dies nicht mehr als 85 Zentimeter Bauchspeck und für Frauen nicht mehr als 90 Zentimeter. Getestet wird dies bei einem Gesundheitstest, den die Firmen mit Unterstützung der staatlichen Krankenkasse einmal jährlich durchführen. Fällt man durch, wird eine Diätberatung angeordnet.

Neuer Gesundheitsboom

Gelingt es den Unternehmen bis 2015 nicht, die Zahl ihrer übergewichtigen Angestellten um 25 Prozent zu reduzieren, erhöht sich der einzuzahlende Betrag in die staatliche Gesundheitsvorsorge beträchtlich. Rund 56 Millionen Bauchumfänge werden dieses Jahr vermessen.

Seither investieren die Unternehmen in die Gesundheitsberatung ihrer Angestellten. Dazu gehören Fitness-Abonnements zu reduzierten Preisen oder eine speziellen Diätberatung. Selbst die auf Fastfood spezialisierten 24-Stunden-Minimärkte bieten zunehmend frisches Obst und Gemüse an.

«Ein revolutionäres Programm»

James Kondo, Präsident des japanischen Instituts für Gesundheitsmassnahmen, ist überzeugt vom Erfolg des «Metabo»-Gesetzes: «Dank des Gesundheitstests ist ein öffentliches Bewusstsein für das gesellschaftliche Problem der Fettleibigkeit entstanden. Das Programm ist revolutionär, weil es für die Unternehmen Anreize schafft gegen die Fettleibigkeit ihrer Angestellten vorzugehen.»

Experten gehen davon aus, dass sich Japans Gesundheitskosten bis 2020 auf 11,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts verdoppeln werden. Zudem sind durch die Überalterung der Bevölkerung die Fälle von Diabetes-Erkrankungen seit 10 Jahren konstant im Steigen begriffen.

Wenige Fettleibige

Kritiker des Gesetzes verweisen auf dem immer noch tiefen Prozentsatz an Fettleibigen in Japan. Geringe 5 Prozent seien es. Die USA verzeichnen im Vergleich dazu fast 35 Prozent Fettleibige. Der Inselstaat gehört gar zu den industrialisierten Ländern, deren Bevölkerung statistisch überdurchschnittlich dünn und gesund ist.

Medizin-Professor Yoichi Ogushi von der Tokai Universität meint dazu: «Die von den Japanern durchschnittlich eingenommenen Kalorien haben in den letzten 10 Jahren abgenommen. Wir haben deshalb kein Fettleibigkeitsproblem wie in den USA. Im Gegenteil, hierzulande haben wir das Problem der zunehmenden Magersucht von jungen Frauen.»

Weiter haben die japanischen Gesetzgeber bei der Festsetzung des maximalen Bauchumfangs andere Werte berücksichtigt als von der internationalen Diabetes-Föderation empfohlen. Diese empfiehlt für japanische Männer 90 Zentimeter und für japanische Frauen 80 Zentimeter.

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