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Manga wird zum Forschungsobjekt

Cosplayer am Comic Market 2007. (flickr/jasohill)

Die noch im Aufbau befindliche Manga-Bibliothek der Tokioter Meiji-Universität hat ihren ersten Trakt mit der 70’000 Bücher grossen Privatsammlung des 2006 verstorbenen Mangakritikers Yoshihiro Yonezawa eröffnet. Die nach Yonezawa benannte Bibliothek («Yoshihiro Yonezawa Memorial Library of Manga and Subculture») beinhaltet auch einen Ausstellungsraum zu Yonezawas persönlicher Karriere. So wird noch einmal die Geschichte der Gründung des «Comic Market» erzählt, wo unabhängige Manga-Künstler zweimal im Jahr ihre Eigenpublikationen feilbieten.

Das im Tokioter Viertel Chiyoda gelegene Gebäude steht auch gegen Entrichtung einer Eintrittsgebühr für nicht immatrikulierte Studenten offen. «Ich hoffe, dass die Bibliohtek hilft den Menschen das Potential der Mangakultur aufzuzeigen», sagt Professor Kaichiro Morikawa für Japanologie an der Meiji-Universität gegenüber der Yomiuri Shimbun. «Bisher wurde die Mangakultur auf die leichte Schulter genommen und für eine ernsthafte wissenschaftliche Forschung kaum richtig archiviert», sagt der Bibliotheksangestellte Susumi Shibao.

Die Manga- und Animeindustrie zählt heute zu den wichtigsten japanischen Kulturexporten, die seit kurzem offiziell vom Staat gefördert wird. Der ehemalige Premierminister Taro Aso hatte im Konjunkturpaket gar 87 Millionen Euro für ein Museum zur japanischen Popkultur veranschlagt. Die neue Regierung unter Yukio Hatoyama hat dem Projekt, das sie als «staatliches Manga-Café» kritisierte, aber eine Absage erteilt, da es nichts mit Wirtschaftsförderung zu tun habe (Asienspiegel berichtete).

Die grösste Bibliothek für Subkulturen

Die Meiji-Universität springt nun in die Bresche. Die Privatsammlung von Yonezawa ist ein erster Vorgeschmack. Ziel der Bibliothek ist es Originaldrucke von Manga-Publikationen, aber auch Videospiele, -konsolen und andere Artefakte zu sammeln. Bis 2014 soll mit über 2 Millionen gesammelten Artikeln die weltweit grösste Bibliothek für Subkulturen entstehen und Forschern wie auch Mangaliebhabern offenstehen.

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