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Schwules China

Eine hohe Dunkelziffer: In China sind rund 25 Millionen Ehefrauen mit einem homosexuellen Mann verheiratet. (flickr/randomix)

Die 1-Kind-Politik Chinas hat das Land in den letzten 30 Jahren in ein demographisches Ungleichgewicht gebracht: Auf 120 geborene Jungen kommen nur 100 Mädchen. Der traditionelle Wunsch der Chinesen nach einem männlichen Erben hat aber noch ein ganz anderes, soziales Problem geschaffen.

So sehen sich rund 90 Prozent der schwulen Chinesen gezwungen eine Frau zu heiraten, schreibt der Economist. In den USA liegt dieser Anteil bei 15 bis 20 Prozent. Das bedeutet, dass rund 25 Millionen Männer in China ihre wahre sexuelle Gesinnung verbergen. «Keinen Nachfahren zu haben, wird in China als eine der grössten Tragödien angesehen», erklärt die Soziologin Li Yinhe von der Chinese Academy of Social Sciences.

Die Ehefrauen, die in solchen Scheinehen leben, werden in China mittlerweile mit dem Begriff Tongqi umschrieben, was so viel wie «die Ehefrau eines Schwulen» bedeutet. Viele Tongqi leiden unter schweren Depressionen, weil sie von ihren Ehemännern nicht die notwendige sexuelle Zuneigung bekommen und nur wenig über Homosexualität wissen, erklärt He Xiaopei, Leiterin der Pekinger Selbsthilfegruppe Pink Space. Doch nur ein kleiner Teil lasse sich scheiden.

Der gesellschaftliche Druck

Den homosexuellen Ehemännern könne man aber nicht die Schuld für diese schwierige Situation geben, sagt Soziologin Li Yinhe. Der gesellschaftliche Druck zwinge sie ihre sexuelle Neigung zu verbergen und eine Ehe einzugehen. Noch fehlt es in China an einer Lobby, welche die Interessen der Homosexuellen wirksam vertreten kann.

Die 58-jährige Li Yinhe sucht seit 2003 bei Mitgliedern des Nationalen Volkskongresses Unterstützung für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Lediglich 30 der 3000 Abgeordneten zeigten damals Interesse für ihr Anliegen. Fortschritte in dieser Hinsicht seien bis heute nur wenige spürbar. Li glaubt auch nicht, dass sich die Situation bald schon ändern werde. Zu stark sei die paternalistische Familienkultur in China verankert.

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