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Die Werkbank der Welt begehrt auf

Trügerischer Glanz: Foxconn präsentiert sich an einer Messe. (flickr/Bert van Dijk)

Foxconn, der taiwanisch-chinesische Zulieferer für Elektronikmarken wie Apple, Hewlett Packard, Sony, Dell, Microsoft oder Nokia, steht seit einem noch ungeklärten Selbstmord eines 19-jährigen Angestellten von letzter Woche unter öffentlichem Druck. Es war bereits der 9. Suizid in diesem Jahr.

Terry Gou, Konzernchef vom taiwanischen Mutterhaus Hon Hai Precision, entschuldigte sich auf dem Fabrikgelände von Foxconn in der chinesischen Stadt Shenzhen für die tragischen Vorfälle in den letzten Monaten. Gleichzeitig wandte Gou ein, dass die Arbeitsbedingungen stetig verbessert würden.

Viele Angestellten beklagen sich hinter vorgehaltener Hand über die langen Arbeitstage bei Foxconn.12-Stunden-Tage und eine 6-Tage-Woche seien die Norm, die Bezahlung entspreche ungefähr 240 Euro pro Monat. Der Gang zur Toilette sei nur zu festgelegten Zeiten erlaubt, sprechen am Arbeitsplatz sei ebenfalls verboten. «Mein Leben fühlt sich leer an. Ich arbeite hier wie eine Maschine», sagte eine 22-jährige Angestellte gegenüber der South China Morning Post.

Schriftliche Verpflichtung

Ein Grossteil der Angestellten ist zwischen 18 und 24 Jahre alt und meist weit weg von ihren Heimatdörfern. Die Isolation und der Druck führen viele der Arbeiter in die Depressionen. Das Fabrikgelände des Unternehmens ist mit 300’000 Angestellten eine Stadt in der Stadt. Von Supermärkten, Bäckereien, Schwimmanlagen bis zu Ärzten findet man alles Notwendige vor. 4 bis 8 Arbeiter teilen sich jeweils ein Zimmer in den zahlreichen Wohnheimen.

Foxconn will nun seine Angestellten schriftlich dazu verpflichten, dass sie bei Problemen sofort einen Psychiater aufsuchen. Die Arbeiter sollen die Möglichkeiten haben während 24 Stunden telefonische Beratung einzuholen. Zudem wurden rund um das Gebäude Sicherheitsnetze gespannt, damit sich niemand mehr in die Tiefe stürzen kann.

«Werde ich in ein Sanatorium eingewiesen?»

Viele der Angestellten kritisieren jedoch die schriftliche Verpflichtung gegenüber Foxconn. Denn das Dokument erlaubt dem Unternehmen seine Angestellten in medizinische Institutionen einzuweisen, falls psychische Veränderungen erkennbar würden.

«Bedeutet dies etwa, dass ich bei einem Streit mit meinem Chef in ein Sanatorium eingewiesen werde?» fragt sich ein Angestellter, der sich geweigert hat das Papier zu unterschreiben, gegenüber der Southern Metropolis Daily. Die Arbeiter sind jedoch in einer denkbar ungünstigen Position. An neuen Angestellten in Shenzhen mangelt es kaum.

Täglich bewerben sich rund 8000 neue Personen vor den Toren von Foxconn für eine Stelle. Viele von ihnen sagen, dass die Arbeitsbedingungen an anderen Orten noch schlechter seien. Foxconn geniesst den Ruf die Angestellten pünktlich und korrekt zu bezahlen.

Vorwurf an die grossen Auftraggeber

Unter Druck geraten nun auch die Auftraggeber wie Apple, Hewlett-Packard, Sony oder Nokia. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie solche Arbeitsbedingungen mit Preisdrückerei und Lieferdruck geradezu provoziert hätten.

Apple wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Apple ist verpflichtet sich für einen respekt- und würdevollen Umgang mit den Arbeitern unserer Zulieferer einzusetzen», heisst es in einer offiziellen Stellungnahme.

Apple, das in diesen Tagen den neuen iPad in weiteren Ländern ausserhalb der USA auf den Markt bringt, hat derweil versprochen, die Präventionsbemühungen von Foxconn genau zu beobachten. Ob Foxconn neben dem iPhone auch den iPad produziert, wollte das amerikanische Unternehmen nicht beantworten. ja.

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