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Nieder mit den Eltern!

Mitgliederstark und Anti-Autoritär: Die Gruppe «Fumu jie huohai» bedeutet wörtlich übersetzt «Aller Eltern Unheil». Oder einfach kurz «Anti-Parents». (Auszug)

Der Konflikt zwischen der Kinder- und der Elterngeneration ist nicht nur einer, der in Europa kontinuierlich ausgetragen wird, sondern auch in China. Eine Gruppe namens «Anti-Parents» des chinesischen Sozialnetzwerkes «Douban» verdeutlicht diesen Zwist. Wie beim amerikanischen Pendant Facebook können sich Nutzer in Interessensgruppen zu den noch so abwegigsten Themen austauschen. Die Gruppe «Anti-Parents» ist eine davon.

Mittlerweile 11’000 Mitglieder zählt «Anti-Parents» und es werden täglich mehr. Eltern und alle, die sich zu positiv gegenüber den Eltern äussern, werden von ihr ausgeschlossen: Eine «Anti-Parents»-Stimmung soll eben herrschen. Hauptthemen sind denn auch der beste Umgang mit den Eltern, oder wie man sich am besten ihren Wünschen quer stellt.

Der Aufstand gegen die Eltern

Mit «Unheil» (chin. Huohai) bezeichnen die Nutzer der Gruppe ihre Eltern. Sie stemmen sich gegen alles, was von oben kommt und widersetzen sich somit der kindlichen Pietät des Konfuzianismus. Die Eltern und Ahnen zu respektieren, sich ihnen gegenüber gut zu benehmen und sich im Alter um sie zu kümmern ist ihnen ein Graus.

Wie dies in der Praxis aussehen soll, erklärt ein 28-jähriges «Anti-Parents»-Mitglied der chinesischen Zeitung Nanfang Zhoumo. Man gehe auf eine Universität, die möglichst weit weg vom Elternhaus ist, verzichte auf den Konsum von Nachrichten, esse zu Unzeiten, kriege Kinder nach eigenem Wille und trete auf keinen Fall der  Kommunistischen Partei bei. Ausserdem ist die traditionell unabdingbare Neujahrsfernsehsendung auf dem staatlichen Sender CCTV absolutes Tabu.

Als Mao noch den Alltag bestimmte

Die Eltern der «Anti-Parents»-Generation sind nicht selten Primarlehrer. In den Augen ihrer Kinder stehen sie damit am langen Ende eines Schulsystems, das von einem verknöcherten Staat verwaltet wird. Geboren sind sie in den 1950er-Jahren, als «Unheil» zu Zeiten Mao Zedongs noch etwas ganz anderes bedeutete: Die alten Gesellschaftsformen vor 1949, amerikanischer Imperialismus und die Ausrottung von Spatzen.

Diese Generation trennt ein riesiger Graben von ihren Kindern: Die Internetnutzung ist ihnen ein Novum, geschweige denn eine Plattform wie «Douban». Meist sehen sie nur das Staatsfernsehen CCTV und lesen eine parteinahe Zeitung. Sie sind sich gewohnt, dass der Staat in ihrer Arbeitseinheit (chin. Danwei) für sie sorgt und sind willens, den ihnen vorgezeichneten Weg zu beschreiten.

Der tiefe Generationenkonflikt

Die Kinder hingegen, die ab den 1980er-Jahren geboren wurden, möchten ihren eigenen Weg gehen. Sie kennen einzig das kontinuierliche Wirtschaftswachstum. Vom Staat wollen sie sich emanzipieren, hin zu seiner selbstbestimmteren Lebensweise.

Zwar klingt dies nach allzu vertrauten Teenager-Problemen, jedoch scheint der Graben um einiges tiefer zu sein als wir ihn im Westen kennen: Ganze Denk- und Lebensweisen, der Transfer von Maoismus zum Kapitalismus, trennt diese Generationen voneinander. Wie stark die Gruppe jedoch in die Realität zurückwirkt, ist fraglich.

Die altbekannte Leier

Die Zeitung Nanfang Zhoumo beschreibt denn auch eine Situation, in der eine Schülerin mit bohrenden Fragen ihren «Anti-Parents»-Geist zelebriert. Die darauffolgende Bestrafung ist ihren Eltern jedoch nur allzu gut bekannt: Wie früher musste sie schriftlich Selbstkritik am eigenen Verhalten üben und die eigenen Fehler eingestehen. ms.

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