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Eine Insel im Kriegszustand

Ein Land im Ausnahmezustand: Die Schlagzeilen am Tag nach dem Angriff. (flickr/Jens-Olaf)

Die am Dienstag von Nordkorea beschossene Insel Yeonpyeong (Asienspiegel berichtete) ist im Hinblick auf das Militärmanöver der USA und Südkorea fast komplett evakuiert worden, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap. Gleichzeitig haben die Aufräumarbeiten wieder begonnen. Zwei Tage nach dem Angriff zeigt sich im kleinen Dorf auf der Grenzinsel ein Bild der Zerstörung. 22 Häuser hatten Feuer gefangen.

Rund 1700 Bewohner von Yeonpyeong haben die Insel inzwischen per Fähre aus Sicherheitsgründen verlassen, nachdem sie 1 bis 2 Nächte in Bunkeranlagen auf der Insel verbracht hatten. Die Evakuierten haben in der Nahe gelegenen Hafenstadt Incheon Unterschlupf gefunden. Am Donnerstag verliess eine letzte Gruppe von 200 Personen die gefährdete Insel.

«Mit dem kommenden Manöver ist die Unsicherheit gestiegen. Wir leben von der Fischerei. Die können wir aber momentan nicht betreiben. Also haben wir die Insel verlassen», erklärt eine Inselbewohnerin im Gespräch mit Yonhap. Lediglich 20 Zivilisten harren auf eigene Verantwortung noch auf Yeonpyeong aus.

«Ich dachte, der Krieg sei ausgebrochen»

Die Evakuierten berichteten von einem regelrechten Bombenregen. «Das Dorf und die Berge waren in Flamen gehüllt», sagt ein Augenzeuge gegenüber der Asahi Shimbun. «Ich dachte, der Krieg sei ausgebrochen», beschreibt ein anderer Mann die bangen Stunden. Neben den 2 toten Soldaten, sind mindestens 2 Zivilisten umgekommen. Beide, um die 60 Jahre alt, arbeiteten als Bauarbeiter für die südkoreanische Marine.

Bei den verstorbenen Soldaten handelte es sich um den 22-jährigen Seo Jeong-woo und den 20-jährigen Moon Kwang-wook, die beide für die Marine im Dienst standen. Unteroffizier Seo war gerade daran, für einen zweiwöchigen Urlaub die Fähre Richtung Festland zu besteigen, als der Beschuss aus Nordkorea begann. Als er zu seiner Einheit zurückeilte, wurde er von einem Granatsplitter getroffen. Der Obergefreiten Moon wurde während einer Schiessübung  vom Granathagel überrascht.

Fischerei eingestellt

Die Grenzinsel, die nur wenige Kilometer vom nordkoreanischen Festland entfernt liegt, lebt mehrheitlich von der Landwirtschaft und Fischerei. Bereits nach dem Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan (Asienspiegel berichtete) im März dieses Jahres mussten die Fischer für einige Wochen ihre Arbeit unterbrechen. Auch dieses Mal werden sie nicht so schnell wieder ihren Beruf aufnehmen können.

Viele Bewohner sorgen sich nun um ihre Existenz. Viele der Bewohner von Yeonpyeong erwägen nun, von der Insel wegzuziehen. Seoul hat bereits angekündigt, die Bewohner allenfalls zu entschädigen. Song Young-il, Bürgermeister der nahe gelegenen Hafenstadt Incheon, fordert von der Regierung einen langfristigen Plan, um die Lebensgrundlage der Bewohner der gefährdeten Inseln zu garantieren.

Die umstrittene «Nördliche Grenzlinie»

Der nordkoreanische Artillerieangriff ereignete sich an der umstrittenen «Nördlichen Grenzlinie», der De-Facto-Seegrenze im Gelben Meer zwischen dem geteilten Staat. Nordkorea akzeptiert jedoch diese 1953 von der UNO gezogene Grenze nicht. Aus diesen Gründen kam es in dieser Gegend gerade in den letzten Jahren immer wieder zu Scharmützeln zwischen Nord- und Südkorea.

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