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«Konfuzius hätte sich zu Tode geärgert»

Lächeln für die Kameras: Anstelle von Lien Chan nimmt ein Mädchen den Konfuzius-Preis entgegen. (Auszug: CBC News)

War nicht an der Verleihung anwesend: Taiwans Ex-Vize-Präsident Lien Chan. (Foto: Wikimedia)

«In China gibt es so viele Fälschungen, jetzt haben sie sogar den Friedensnobelpreis kopiert», sagte der Abgeordnete Twu Shiing-jer der Oppositionspartei DPP gegenüber taiwanischen Medien. Er bezeichnete den Friedenspreis und das Preisgeld von 100’000 Yuan (rund 11’300 Euro) als demütigend für Lien Chan.

Auch Twus Kollege Tsai Huang-liang ist sich sicher: «Konfuzius – wäre er denn noch am Leben – hätte sich zu Tode geärgert». Für Tsai ist der Konfuzius-Friedenspreis ein schlechter Scherz, vergleichbar mit Hollywoods Goldener Himbeere. Dennoch müsse Lien aufpassen, nicht von China instrumentalisiert zu werden, so Tsai. Die Demokratische Fortschrittspartei (DPP), denen die beiden Parlamentarier angehören, ist China-skeptisch und setzt sich für mehr Unabhängigkeit vom Festland ein.

Unverständnis bei Lien Chans Partei

Auch die Regierungspartei Kuomintang (KMT), bei der der Preisträger Ehrenvorsitzender ist, sieht die Verleihung skeptisch. China habe Lien Chan in eine schwierige Lage gebracht, findet etwa KMT-Parlamentarier Justin S. Chou. Lien Chan selbst hat in der Öffentlichkeit zum Preis bislang keinen Kommentar abgegeben. Zwar hat sich Lien bisher für eine Annäherung zwischen der Volksrepublik und Taiwan stark gemacht, doch die zweifelhafte Ehrung einen Tag vor dem Friedensnobelpreis scheint auch ihm nicht ganz recht zu sein.

Taiwans Regierung amüsiert

Die Vorsitzende der taiwanischen Kommission für Festlandangelegenheiten, Lai Shin-yuan sagte in Taipei, soweit man wisse, handle es sich nicht um einen offiziellen Preis. Deshalb werde man von offizieller Seite den Friedenspreis auch nicht kommentieren. Dennoch fügte Lai hinzu, Taiwans Regierung fände den Preis amüsant.

Lien Chan reiste 2005 das erste Mal in seiner damaligen Rolle als Vorsitzender der chinesischen Nationalpartei Kuomintang (KMT) nach China. Darauf folgten weitere Reisen und auch Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Das Organisationskomitee des Konfuzius-Friedenspreises hatte Lien Chan für dessen Bemühungen zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Taiwan und China gerühmt.

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