News aus Japan, China und Korea

Ein verführerisches Paradies

Schöne Welt: Touristen auf Jeju. (flickr/calamity_hane)

Chinas Touristen kommen ohne Visum nicht nach Südkorea. Ähnlich wie Japan hat Seoul jedoch die Visa-Anforderungen für sein Nachbarland gelockert (Asienspiegel berichtete). Denn die Touristen aus dem Reich der Mitte gelten mittlerweile als finanzkräftig und äusserst kauffreudig. Für die Insel Jeju im Südosten der koreanischen Halbinsel hat Seoul bereits im Februar 2008 eine Visumsfreigabe für chinesische Touristen bewilligt.

Jeju ist für Südkorea, was für Japan Okinawa ist: Das warme Klima und die für Südkoreaner exotische Atmosphäre machen die Insel zu einem Anziehungspunkt für Reiselustige. Bekannt ist Jeju für seine Meeresfrüchte-Taucherinnen, die selbst im hohen Alter einzig mit einem Neoprenanzug ausgerüstet, ihrer Arbeit nachgehen. Ausserdem befindet sich auf der kleinen Insel mit dem 1950 Meter hohen Mount Halla der höchste Berg Südkoreas. Selbst die Fussball-WM 2002 in der Stadt Seogwipo beherbergte hier eine Austragungsstätte.

Ansturm der chinesischen Touristen

Gleich für 189 Länder verfügte die koreanische Regierung deshalb eine spezielle Visumsfreigabe für 30 Tage, um den Tourismus auf der Ferieninsel zusätzlich zu fördern. Die Chinesen liessen sich nicht zweimal bitten: Ihre Besucherzahlen auf Jeju sind seither regelrecht explodiert. Waren es 2066 noch 143’000 während eines Jahres, sind es heute bereits 406’000. Dies bringt neben dem erhofften Geldsegen, auch andere Probleme mit sich.

Wie die Korea Times berichtet, hat sich Jeju in den letzten 2 Jahren zu einem Einfallstor für illegale chinesische Arbeiter in Südkorea entwickelt. Im letzten Jahr haben sich 822 Personen mit gefälschten Ausweisen per Fähre auf dem Weg zum südkoreanischen Festland gemacht. 2006 lag diese Zahl noch bei 15. Der Weg von Jeju in die Grossstädte Südkoreas ist vergleichsweise einfach. Die Einwanderungsbehörde auf der Insel hat lediglich 15 Angestellte.

Mit gefälschten Papieren aufs Festland

Das Geschäft mit den Illegalen ist für die Mittelsmänner lukrativ. Ein gefälschter Ausweis für Südkorea kostet laut der Korea Times auf Jejus Schwarzmärkten zwischen 5 und 10 Millionen Won (3400 bis 6800 Euro). Zwar greift die südkoreanische Polizei einen Teil der chinesischen Arbeitsflüchtlinge später auf. Doch dem Rest gelingt es nicht selten, sich über Jahre hinweg in Südkorea illegal eine Existenz aufzubauen.

Seither hat die südkoreanische Einwanderungsbehörde ihre Massnahmen an Flug- und Schiffshäfen verstärkt. Einigen chinesischen Besuchern wurde mittlerweile der Eintritt verweigert. Ausserdem wurden Büros von Mittelsmännern, die den Illegalen die notwendigen Papiere zukommen lassen, geschlossen. Dass die südkoreanischen Behörden die Visumsbefreiung aus diesem Grund wieder aufgeben, ist jedoch unwahrscheinlich. Zu einträglich ist das Geschäft mit Chinas Touristen.

Stichwortdossier: , , , , , , ,

Kommentar schreiben