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Wo Windows konkurrenzlos ist

Auf Windows geeicht: Ein Game-Wettbewerb in China. (flickr/randomwire)

Wer jemals einen Streifzug durch die Internetcafés einer chinesischen Stadt wagte, wird feststellen: Sämtliche Computer laufen mit dem Betriebssystem Windows. Darüber hinaus ist der Internet Explorer der am weitesten verbreitete Standardbrowser. Die im Land beliebtesten Programme funktionieren selten auf einem Mac-Betriebssystem, geschweige den auf Linux.

Open Source-Software und –Betriebssysteme bleiben in China weitgehend auf der Strecke. Die Open Source-Bewegung, die auf anderen Erdteilen eine immer grössere Anhängerschaft gewinnt, setzt auf offenen Quellcode und einem Lizenzierungssystem, das die öffentliche Verteilung, Nutzung und Weiterverwendung eines Programms oder einer Hardware begünstigt.

Da das Prinzip von Open Source primär nicht profitorientiert ist, fehlt in China ein Bewusstsein für die durchaus marktwirtschaftlich nutzbaren Möglichkeiten. Zudem behindert die grassierende Software-Piraterie die Entwicklung einer Open Software-Bewegung. Wer braucht schon Open Source, wenn schon alles gratis verfügbar ist, wofür eigentlich bezahlt werden soll, sagen sich die Chinesen. Dass bei raubkopierter Software jedoch kein Quellcode zur Verfügung steht, mit dem Programme weiterentwickelt und verbessert werden kann, scheint als Argument nicht zu überzeugen.

Kaum kompatibel

Ein weiteres Problem sind bereits existierende und populäre Gratis-Programme, die nur für  Windows und MacOS entwickelt werden. Die sehr beliebte Sougou Pinyin Shurufa, die die chinesische Zeicheneingabe massiv vereinfacht und beschleunigt, läuft seit Jahren nur unter Windows. Die Eingabe chinesischer Zeichen unter Linux gestaltet sich hingegen als sperrig.

Der Informatiker und Spezialist für die Eingabe und Handhabung von chinesischen Zeichen am Computer, Ni Guangnan, stellt in einem Artikel, den er auf der chinesischen IT-Newsseite Yesky veröffentlichte, durchaus vorhandene Bedürfnisse nach Open Source fest. Zur Durchsetzung bedürfe es aber nicht nur einer verbesserten Sicherheit, sondern auch einer staatlichen Unterstützung zur Entwicklung einer nationalen Softwareindustrie. Gerade für die Softwareproduktion sei Open Source ideal. Teure Lizenzgebühren grosser Konzerne würden wegfallen.

Die Mäzene fehlen

Andererseits fehle es der chinesischen Softwareszene noch an einem Open-Source-Geist. Talentierte Programmierer gibt es zuhauf, deren gesamte Ausbildung verläuft jedoch einzig über Windows. Dieser eingeschränkte Fokus sei der Kreativität und Innovation hinderlich, wie Ni moniert.

Zudem mangelt es an einer finanziellen Unterstützung, die die Grundlage einer gesunden Open Source-Bewegung bildet. So sind es oft Stiftungen, wie etwa Richard Stallmans «Free Software Foundation», die das Fundament für eine solche Softwareentwicklung legen. In China hingegen existiert eine solche Form schlichtweg nicht.

Das chinesische Linux

Red Flag Linux (Quelle: jysls.com)

Linux ist in China jedoch nicht ganz inexistent.1999 veröffentlichte das Softwareinstitut der Chinese Academy of Sciences in Peking eine eigene Linux-Version namens Red Flag Linux.  Ein Jahr später gründete das Institut zusammen mit der staatlichen Shanghaier Firma New Margin Venture Capital ein Joint Venture, das sich um die weitere Entwicklung des Programms kümmert.

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie unterstützt dieses Projekt. Die Beurteilung von Red Flag Linux fällt aber durchzogen aus. Die aktuellste Version stammt aus dem Jahr 2009 und ist bislang die letzte. Die Weiterentwicklung scheint auf Eis gelegt worden zu sein.

Handy als Durchbruch?

Trotzdem gibt es in China durchaus Hoffnung für die Open Source-Szene. So fand Ende Juni 2010 in Peking das 6. jährliche Gipfeltreffen zu Open Source statt, unter dem Namen Open Source China Open Source World Summit. Alle Grössen der Software-Industrie und der Open Source-Szene waren vertreten, so auch Jim Zemlin, der Geschäftsführer der Linux Foundation. Gerade bei diesem Kongress zeigte sich, dass insbesondere die rasante Entwicklung bei den Smartphones der chinesischen Open Source-Software zum entscheidenden Durchbruch verhelfen könnte.

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