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Eine dunkle Vermutung

Grabung in die Vergangenheit: Die Ausgrabungsstätte in Shinjuku, Tokio. (Auszug: Tokyo MX)

Grabung in die Vergangenheit: Die Ausgrabungsstätte in Shinjuku, Tokio. (Auszug: Tokyo MX)

Die heute 88-jährige Toyo Ishii brach 2006 ihr Schweigen. Als Krankenschwester in einem Medizininstitut des Militärs im Tokioter Viertel Shinjuku bekamen sie und ihre Kolleginnen am Ende des Zweiten Weltkrieges die Aufgabe, Leichen und Körperteile in einem Massengrab zu verstecken. Ihre Vorgesetzten drängten sie, die Arbeit zu vollenden, bevor die US-Besatzer eintreffen würden. Sollten die USA von diesen Leichen erfahren, würde sie Probleme bekommen, wurde Ishii gesagt. Die wahren Hintergründe der geheimen Aktion erfuhr sie indes nie. Historiker haben jedoch einen konkreten Verdacht.

Bei den Leichen könnte es sich um Opfer der Einheit 731 sein, die während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag der japanischen Armee geheime Experimente an Menschen zur Entwicklung von chemischen und biologischen Waffen an Menschen durchführten. Die Basis der Einheit 731 befand sich in der damals besetzten Mandschurei. Doch das besagte Institut in Tokio galt als ein medizinisches Forschungszentrum und Schule für die berüchtigte Einheit. Die Experimente forderten alleine in China rund 3000 Menschen Opfer.

Glaubwürdige Aussagen

Die Gesundheitsbehörde hat nun eine Ausgrabung angeordnet, nachdem an der besagten Stätte ein Wohnkomplex abgerissen wurde. Sollte sich die Aussage bewahrheiten, würden entsprechende Ermittlungen in Angriff genommen. Die Aussagen der ehemaligen Krankenschwester werden als glaubwürdig eingeschätzt, weil bereits 1989 ganz in der Nähe sterbliche Überreste von über 60 Menschen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gefunden wurden.

Ein DNA-Vergleich mit den chinesischen Opfern hatte die japanische Regierung damals abgelehnt. Ermittler hatten keinen Zusammenhang zur Einheit 731 gefunden. Ein Offizieller der Gesundheitsbehörde zweifelt auf Anfrage japanischer Medien auch im jetzigen Fall eine Verbindung mit der mandschurischen Einheit an.  Derweil begrüsst der Kriegsveteran Noboru Watanabe, der sich für die Ausgrabungen einsetzte, die Ermittlungen. Endlich erforsche die Regierung die wahren Umstände, meint er gegenüber dem Fernsehsender Tokyo MX.

Ein dunkles Kapitel

Die Geschichte um die Einheit 731 ist bis heute ein Tabuthema geblieben. Die Existenz von 731 wurde von der japanischen Regierung nie anerkannt, trotz der erdrückenden Beweislast. Entschädigungsforderungen der Angehörigen der Opfer weist sie regelmässig ab, obwohl das Obergericht in Tokio die Existenz der Einheit 2005 offiziell bestätigt hatte.

Die USA trugen dazu bei, dass die dieses dunkle Kapitel der japanischen Geschichte so konsequent unter den Teppich gekehrt wurde. So waren das amerikanische Interesse an den Forschungsdaten kurz nach dem Krieg so gross, dass Mitgliedern von 731 im Austausch für Forschungserkenntnisse Straffreiheit gewährt wurde.

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