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Der Sitz für gute Manieren

Für Menschen mit Berührungsängsten: Die neuen Polstersitze für die Yamanote-Linie. (Auszug: TBS)

Für Menschen mit Berührungsängsten: Die neuen Polstersitze für die Yamanote-Linie. (Auszug: TBS)

In die Höhe gebogen. (Auszug: TBS)

In die Höhe gebogen. (Auszug: TBS)

Die Yamanote-Linie verbindet ringförmig die wichtigsten Stadtzentren Tokios. Mit 3,5 Millionen Fahrgästen pro Tag ist sie eine der meist frequentierten Bahnlinien der Welt. Der Betreiber der Yamanote-Linie, JR East, gibt sich denn auch entsprechend Mühe die Innenarchitektur des Zuges in Schuss zu halten. Sein neuster Wurf sind speziell geformte Sitze für gute Manieren erfunden.

So sollen an den Seiten um 4 Zentimeter in die Höhe gebogene Sitzpolster verhindern, dass ein Fahrgast seine Beine seitlich ausbreitet und damit dem Nachbarn zu nahe kommt. Zudem ist die Aushöhlung an der Stelle des Rückens und des Hinterns vertiefter als bei gewöhnlichen Sitzen. Dafür ist der Sitz für die guten Manieren rund 1 Zentimeter breiter gestaltet und 1 Zentimeter tiefer gelegt als beim Vormodell.

Die störende Nähe

JR East reagiert damit auf Klagen der Kunden. Demnach stören sich die meisten Fahrgäste daran, dass der fremde Sitznachbar seine Beine ausbreitet oder einem zu nahe kommt. In der Vergangenheit habe dies immer wieder zu Problemen geführt, erklärt das Zugunternehmen der Nikkei Shimbun. In Zusammenarbeit mit der Universität Keiou sind schliesslich diese neuartigen Sitzgelegenheiten entwickelt worden.

Japans chronisch überfüllte Pendlerzüge zwingt die Bahnbetreiber stets Neuerungen einzuführen, um dem Fahrgast ein minimales Gefühl an Privatsphäre zu geben. Die in japanischen U-Bahnen allgegenwärtigen Fälle von Belästigungen durch Grabscher haben schon vor Jahren dazu geführt, dass während den Stosszeiten zumindest ein Wagen nur den Frauen vorbehalten ist (Asienspiegel berichtete).

Testphase bis nächsten März

Es ist zu hoffen, dass die neuartigen Sitze in der Yamanote-Linie mithelfen werden, allfällige Sitzgrabscher auf Distanz zu halten. Doch so ganz sicher ob der Wirkung sind sich die Betreiber dennoch nicht. Zwischen Juni und März nächsten Jahres werden 54 solcher Sitze probeweise in einem Wagen installiert. Fallen die Reaktionen der Fahrgäste positiv ausfallen, werden alle Sitzreihen mit dem neuen Modell ausgetauscht.

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