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Habe ich Revolution gehört?

Hat gut lachen: Kim Jong-il sitzt noch fest im Sattel. (flickr/ borut peterlin)

Hat gut lachen: Kim Jong-il sitzt noch fest im Sattel. (flickr/ borut peterlin)

Am 18. Februar kam es auf einem Markt in Sinuiju, einer nordkoreanischen Grenzstadt zu China, zu Zusammenstössen zwischen der Polizei und einigen hundert nordkoreanischen Markthändlern. Dies berichtete die grösste südkoreanische Zeitung des Landes, die Chosun Ilbo.

Die Unruhen begannen, als eine Sicherheitskraft auf einen Händler einschlug. Als die Angehörigen sich daraufhin beschwerten, hätten sich ihnen zahlreiche weitere Menschen angeschlossen. Kim Jong-ils Sicherheitskräfte seien daraufhin eingeschritten. Über die Zahl der Verletzten oder Toten ist nichts bekannt. Gerüchten zufolge seien vier bis fünf Menschen gestorben, berichtet die südkoreanische Zeitung aufgrund von anonymen Informationsquellen weiter.

Geteilte Meinungen

Seither habe Pyongyang in der Region um die Grenzstadt die Alarmbereitschaft erhöht. Was genau der Auslöser für den Streit war, ist unklar. Wie die Daily NK berichtet, soll es sich dabei um Zusammenstösse gehandelt haben, die selbst in Nordkorea immer wieder mal vorkommen könnten. Die Händler hätten sich über die Erhöhung der Gebühren für den Marktstand beschwert. Von grösseren Unruhen könne keine Rede sein.

Die Chosun Ilbo hingegen vermutet, dass der Ausbruch eine Folge der prekären humanitären Lage im Land war. So habe das Regime den Bürgern von Sinuiju Spezialrationen für die Feiertage von Kim Jong-ils Geburtstag versprochen. Das Versprechen sei jedoch nicht eingehalten worden. Daraufhin hätten sich die Händler auf dem Markt darüber geärgert, dass die Sicherheitskräfte sich in die Geschäfte einmischen würden.

Drei Millionen Flugblätter über Nordkorea

Sinuiju ist kein Einzelfall. In einem weiteren Artikel schreibt die Chosun Ilbo von vereinzelten Protestmärschen in den nordkoreanischen Städten Jongju, Yongchon und Sonchon. Sie hätten lauthals nach Reis und Elektritzität verlangt. «Diese kleinen Proteste wegen materiellen Problemen nehmen in Nordkorea zu, weil der Respekt vor dem Regime in Pyongyang am Schwinden ist», erklärt Professor Kim Yong-hyun von der Universität Dongguk. Gerade ein Markt in einer Grenzstadt wie Sinuiju habe mehr Zugang zu Informationen von aussen als die Städte im Inneren des isolierten Landes. Die Menschen dort wüssten über Schmuggler und chinesische Händler sehr genau Bescheid, was sich im Ausland abspiele.

Um den Informationsfluss nach Nordkorea weiter zu verstärken, hat Südkoreas Militär damit begonnen, an Heliumballons angehängte Flugblätter über Nordkorea abzuwerfen, die über die Vorkommnisse im Nahen Osten berichten. Über drei Millionen Flugblätter wurden in den letzten vier Monaten so verteilt. Seit dem Angriff Nordkoreas auf die südkoreanische Kleininsel Yeongpyeong (Asienspiegel berichtete) setzt Seoul wieder vermehrt auf psychologische Kriegsführung.

Informierte nordkoreanische Jugend

Auch die junge Elite Nordkoreas soll inzwischen gut informiert sein. So erzählte der 2003 aus Nordkorea geflüchtete Professor Kim Heun-kwang der südkoreanischen Menschenrechtsbehörde National Human Rights Commission of Korea, dass im Oktober 2009 Sicherheitskräfte bei rund 2000 Elitestudenten der Universität Kim Il Sung in Pyongyang USB-Sticks mit antinordkoreanischen Propagandavideos vorgefunden hätten.  Kim Heun-kwang steht der Organisation North Korea Intellectuals Solidarity vor, die den Süden regelmässig mit Informationen aus Nordkorea beliefert.

Für eine Facebook-Revolution wie in der arabischen Welt wird dies kaum ausreichen. Dennoch zeigen die Beispiele, dass selbst im isoliertesten Land der Erde die Menschen informiert sind und der Unmut durchaus in Proteste umschlagen kann. Pyongyang scheint derweil auf seine eigene Art die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Gemäss der südkoreanischen Online-Zeitung Daily NK hat Nordkorea mit der Bildung einer mobilen Sicherheitstruppe zur Unterdrückung von Demonstrationen reagiert. Damit sollen Proteste wie im Nahen Osten bereits im Keim erstickt werden.

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