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Lieber Katzenvater als Tigermutter

Schon genug geübt? Ein chinesisches Kind nach der Klavierstunde. (flickr/geekinmedia)

Schon genug geübt? Ein chinesisches Kind nach der Klavierstunde. (flickr/geekinmedia)

Im Januar schockte die chinesisch-amerikanische Juristin Amy Chua die pädagogische Welt mit ihren erfolgreichen «chinesischen Erziehungsmethoden», die sie in ihrem Buch «Battle Hymn of the Tiger Mother» (dt. «Die Mutter des Erfolgs») demonstrierte.

Yale-Dozentin und selbst ernannte Tigermutter, beeindruckt mit ihren äusserst strengen Erziehungsmethoden und einem harten Drill der eigenen zwei Töchter. Implizit suggeriert jedoch auch umgekehrt der Erfolg ihrer Kinder, amerikanische Mütter würde ihre Kinder verweichlichen. Das Buch stürmte die Bestsellerlisten und ist das heiss diskutierte Thema amerikanischer Eltern und Pädagogen.

Gemischte Reaktionen aus Amy Chuas Ursprungsland China

Die Erziehungsmethoden von Cai Mei’er, wie Amy Chua mit chinesischem Namen heisst, stossen in Chinas Internetforen auf gemischte Reaktionen. Einige zitieren das beliebte Sprichwort «erst die Arbeit, dann das Vergnügen» und stimmen mit ihr überein: In jungen Jahre muss übermässig und hart gearbeitet werden, um später die Früchte davon zu ernten. Zudem verfügen Kinder über ein schlechtes Einschätzungsvermögen ihrer selbst. Das führt oft zu wenig nachvollziehbaren Entscheidungen. So wissen die Eltern schliesslich besser als ihre Kinder, dass nur nach langem Üben – etwa eines Musikinstruments – der Erfolg eintritt.

Andere wiederum widersprechen Amy Chua: Den Kindern Freiräume zu gewähren und ihnen eine schöne Kindheit und Jugend zu bieten ist für viele das Wichtigste. Auch die Eigeninitiative und Selbständigkeit zu fördern ist ein weiterer Aspekt, den viele bei Amy Chuas Methoden vermissen.

Lieber Katzenväter als Tigermütter: Alternative Erziehungsmethoden

Doch dem strengen Drill Amy Chuas setzt sich in China ein Gegentrend entgegen: Der selbst ernannte «Katzenvater» Chang Zhitao, der mit seiner Frau und seiner Tochter Chang Shuai in Shanghai lebt. In einem Interview mit der Zeitung Xinmin Weekly beschreibt er seine freieren Erziehungsmethoden.

Für Herr Chang ist die Erziehung wie ein Tanz, wie der Tanz einer Katze – geschmeidig und sanft, ein demokratisches Spiel mit Regeln, das strenge, aber auch laxere kennt. Für ihn ist ein solches Beispiel, dass Aufgaben von einem Tag am selben erledigt noch werden müssen. Wann aber spielt keine Rolle – vor oder nach dem Essen, dem Fernsehen oder anderen Vergnügen.

Auch bei der Wahl der Hobbys liess er seiner Tochter freie Hand: Wollte sie zuerst Geige spielen, war es bald danach ein chinesisches Musikinstrument, das sie ebenfalls rasch aufgab. Aber Tanz, der faszinierte sie: Sie fing an, litt unter dem harten Training und nahm trotzdem die Mühen einer langen Pendlerei auf sich, um mehrmals die Woche ihr Training beizubehalten.

Selbständigkeit und Autonomie stehen im Zentrum

Chang widerspricht der «Tigermutter» in allen wichtigen Belangen: In seinen Augen sind ihre Kinder nur passive Empfänger, Erzogene und Geformte unter den Vorstellungen der Eltern. Viel wichtiger sei es jedoch, dass die Eltern mit den Kindern mitwachsen, ihre Elternrolle den Bedürfnissen und Veränderungen der Zöglinge anpassen. Ein solcher strikter Übungs- und Erziehungsplan Amy Chuas bezieht dies nicht mit ein. Eltern müssen auch erkennen, dass die Generation der Kinder anders ist als die eigenen und sie über Fertigkeiten verfügen, die man selber nicht besitzt.

Auch kritisiert Chang Zhitao die die strikte Unterscheidung Amy Chuas in «westliche» und «chinesische» Erziehung als eine viel zu extreme Schwarz-Weiss-Malerei. Sie zieht eine Grenze zwischen zwei Polen, die im kreativen Mix ein viel grösseres Potential bergen. Denn für Herr Chang ist es zentral, dass die Eltern zwar den Kindern Anleitung geben und gewisse Grenzen bestehen müssen. Trotzdem soll sein Kind lernen, selbständig und allein in einer Gruppe zu bestehen. Die Selbständigkeit und Autonomie steht im Vordergrund.

Bis nach Harvard

Das zeigte sich auch bei der eigenen Entscheidung von Chang Shuai, für das letzte Gymnasialjahr nach Amerika zu gehen. Ihre Eltern hatten einige Einwände, doch sie war so sehr von ihrer Idee überzeugt, dass die Eltern schliesslich nachgaben. Nach der Highschool war es für Chang Shuai auch ganz klar, es an eine der besten Universitäten der USA zu schaffen. Letztes Jahr wurde sie an die Harvard-Universität zugelassen – aus eigener Initiative und eigenem Willen.

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