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Erfrischende Stromschlucker

Überall präsent: Getränkeautomaten in Japan. (flickr/ @10)

Überall präsent: Getränkeautomaten in Japan. (flickr/ @10)

«Kein anderes Land auf der Welt verbraucht fast 10 Millionen Kilowatt nur für Pachinko-Spielhallen und Getränkeautomaten», meinte Tokios Gouverneur Shintaro Ishihara kurz nach seiner Wiederwahl (Asienspiegel berichtete). Denn dieser Energieverbrauch entspräche in etwa der Stromproduktion des Unfallreaktors von Fukushima. Man solle daher auf Pachinko verzichten und auch ohne die Getränkeautomaten könne man auch gut leben, bestärkte Ishihara seine Meinung gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Die Pachinko-Branche zeigte verständlicherweise keine Freude an den Aussagen des Gouverneurs. «Auf welchen Quellen beruhen diese Aussagen?» zitierte die Yomiuri Shimbun Vertreter des Glückspiels. Sie werfen Ishihara eine Verdrehung der Tatsachen vor.

So bemühte sich Japans Verband der Unterhaltungsindustrien Nichiyukyo nur einen Tag später mit einer Auflistung von Zahlen um Schadensbegrenzung. Der höchste Stromverbrauch der Pachinko-Spielhallen werde im Hochsommer durch den Gebrauch der Klimaanlagen erzeugt. Für die 4000 Spielhallen, die durch den Tokioter Energieversorger und Atombetreiber Tepco abgedeckt würden, seien schätzungsweise 840’000 Kilowatt Strom notwendig. Dies würde rund 1,5 Prozent des gesamten Strombedarfs während der Sommerzeit ausmachen.

Genaue Zahlen folgen später

Von Ishihara scheinbar auf dem falschen Fuss erwischt, versprach die Branche im gleichen Atemzug, dass man den genauen Stromverbrauch noch erfassen und die Öffentlichkeit darüber informieren werde. Die Pachinko-Industrie will jedoch betont haben, dass sie bereits auf das reduzierte Stromangebot infolge des Reaktorunfalls reagiert habe. Neonlichter und Werbetafeln im Freien seien abgestellt und die Länge der Öffnungszeiten reduziert worden.

Pachinko ist das beliebteste Glücksspiel in Japan, bei dem versucht wird kleine Metallkugeln in einem Automaten in die richtigen Löcher zu lenken, um noch mehr Metallkugeln zu generieren. Jährlich geben die Japaner rund 190 Milliarden Euro dafür aus. Schätzungsweise 34’000 Berufsspieler verbringen jeden Tag in den landesweit über 12’000 lärmigen Spielhallen (Asienspiegel berichtete).

Getränkeverband gibt sich stromsparend

Der Getränkeverband Japan Soft Drink Association zeigt sich derweil etwas defensiver. Statt Zahlen präsentiert er eine energiesparende Massnahme für den Hochsommer, wenn die Stromnachfrage ihren Höhepunkt erreichen wird. Die Kühlsysteme aller 850’000 Getränkeautomaten, die Tepco mit Strom versorgt, würden dann unterbrochen, verspricht der Getränkeverband.

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