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Flashmob im Starbucks

Ein Starbucks in China. (flickr/bitslice)

Ein Starbucks in China. (flickr/bitslice)

Wie die Xiaoxiang-Morgenzeitung berichtet, fielen am 1. Mai einige Gäste einer Starbucks-Filiale in Changsha (Provinzhauptstadt von Hunan) kurz vor drei Uhr in einen tiefen Schlaf. Fünf Minuten später wachten sie auf und tranken ihren Kaffee weiter wie zuvor. Etwas später betraten zwei als grüne Dinosaurier verkleidete Kunden die Filiale und nahmen ihren Kaffee entgegen. Plötzlich wandten sie sich um, riefen lauf «Bringt sie um!» und wiesen mit Händen, die Revolver imitierten, auf die Gäste.

Erneut sanken diese einer nach dem anderen in kunstvoller Form «tot» zu Boden. Bald darauf war der ganze Spuk vorbei: Die «Getöteten» erwachten einer nach dem anderen zum Leben, jubelten sich zu und verliessen das Café. Erst dann begriffen die nicht eingeweihten Gäste, dass sie gerade Zeuge eines «Flashmobs» (chin. kuaishan huodong) geworden sind.

Begeisterung und Unverständnis

Zwei etwa 70-jährige Herren, die das Geschehen von draussen beobachteten, applaudierten unter Bravorufen, auch wenn sie das mysteriöse Ereignis nicht ganz deuten konnten. Gemäss der Morgenzeitung hatten sie einfach ihre Freude an den jungen Leuten, die offenbar mit grossem Spass eine solche Aktion inszenierten.

Die Gäste hingegen, die nichts von der Aktion wussten, erschraken zutiefst. Der Filialleiter des Starbucks zeigte zudem kein Verständnis für den Flashmob, alarmierte die Polizei und informierte die Zentralstelle in Shanghai. Ein anders Mitglied der Filialleitung erwähnte, dass dieser Flashmob eine Gruppe namens «Yidou kuaishan» organisiert hätte, die bereits seit 2008 existiert. Sie zogen bereits früher die öffentliche Aufmerksamkeit Changshas mit ähnlichen Aktionen auf sich, die, so die Morgenzeitung, an «Kinderspiele» erinnerten.

Flashmobs: in China ein Novum

Das Unverständnis des Leiters hat jedoch sicher seinen Grund: In China sind Flashmobs ein eher unbekanntes Phänomen. Flashmob-Gruppen (chin. kuaishan zu), die in Manhattan, USA im Jahr 2003 ihren Anfang nahmen, gibt es in China nur wenige und erst seit wenigen Jahren. Ein Flashmob basiert darauf, zu verabredeter Zeit an einem gewissen Ort irgendeine absurde Aktion zu vollführen, wie etwa die Verehrung eines riesigen Stoffdinosauriers in der Kinderabteilung eines Kaufhauses.

Trotzdem existieren einige wenige chinesische Flashmob-Gruppen. In Xi’an (Provinz Shaanxi) existiert beispielsweise eine Gruppe namens «Crazy and Love» (C&L), die 2009 ihren ersten erfolgreichen Flashmob durchführte: Sie tanzte in Erinnerung an Michael Jackson zum Song «Beat it» über eine Strasse der Stadt. Ob die politischen Möglichkeiten des Flashmobs ausgereizt werden, wie etwa für Protestaktionen, bleibt abzuwarten.

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