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Der Mann, der Spucke sammelt

Die beschlagnahmten Speichel-Proben. (Auszug: ANN News)

Die beschlagnahmten Speichel-Proben. (Auszug: ANN News)

Japan hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt, auch wenn die dortigen Medien ein anderes Bild wiedergeben mögen. Besonders beliebt sind Berichte über irritierende Kriminalfälle, wie der Folgende, bei dem einem wahrhaftig die Spucke wegbleiben mag.

Ein 55-jähriger Mann aus Tokio hat während Jahren den Speichel junger Frauen systematisch gesammelt, geordnet und gefilmt. Nach seiner Verhaftung erklärte er sich. «Weil ich die Frauen nicht zu mir mitnehmen konnte, habe ich ihren Speichel nach Hause genommen. Während 17 Jahren habe ich rund 4000 Frauen angefragt», soll er gemäss der Sankei Shimbun der Polizei gesagt haben.

Der Vorwand

Die Behörden wurden auf ihn aufmerksam, nachdem sich im Raum Tokio und in der Präfektur Saitama die Klagen über den verhaltensgestörten Mann häuften. Im Internet hatte er bereits den Übernamen «Gib-mir-Speichel-Onkel» erhalten. Seit 2005 sollen es gemäss JCast News 125 Beschwerden gewesen sein. Er mache eine Speichel-Untersuchung, soll er jeweils als Vorwand den betroffenen Schülerinnen angegeben haben. Den Speichel gaben sie jeweils in ein Filmgehäuse ab. Mit einer Kamera zeichnete er diesen Akt auf.

«Er muss damit wohl einen sexuellen Drang befriedigt haben», erklärte ein Offizieller den Medien. Nach der Verhaftung, fand man 26 Videokassetten in seinem Haus, auf denen er rund 200 Schülerinnen aufgezeichnet hatte. Insgesamt soll er über 500 Proben gesammelt haben.

Gesetzliche Schwierigkeiten

Für die Polizei gab es bei der Verhaftung jedoch eine Schwierigkeit. Aufgrund welchen Gesetzes sollte ein Mann verhaftet werden, der Spucke sammelt? Immerhin übte der Mann bei seinen Aktionen keinen Zwang aus, niemand kam physisch zu Schaden. Das Jugendschutzgesetz hätte hierfür wohl kaum ausgereicht. Zudem gab es dazu schlichtweg keinen Präzedenzfall.

Schliesslich beriefen sich die Behörden auf die Verordnung zur Vorbeugung öffentlicher Belästigung. Demnach dürfen in Japan an öffentlichen Orten Menschen nicht in ihrer Würde verletzt oder obszöne Taten begangen werden, die Angst auslösen, wie JCast News berichtet. Dem 55-Jährigen drohen nun wegen öffentlicher Belästigung bis zu 1 Jahr Haft oder eine Geldstrafe über 1 Million Yen (8700 Euro).

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