News aus Japan, Taiwan und China

Eigene Wege fürs Fahrrad

Farblich getrennt: Ein getrennter Fussgänger- und ein Fahrradweg im Tokioter Bezirk Sumida. (Foto: Asienspiegel)

Farblich getrennt: Ein Fussgänger- und ein Fahrradweg im Tokioter Bezirk Sumida. (Foto: Asienspiegel)

Der Fahrradfahrer gehört in Japan wie der Fussgänger auf den Gehsteig. Selbst durch die dichtesten Menschenmassen bahnen sich schlängelnd ihren Weg. Speziell gekennzeichnete Fahrradspuren, wie in Europa, sind nur selten zu erblicken. Man könnte meinen, dass die Strassen einzig den Autos vorbehalten sind. Doch das ist in Wahrheit gar nicht der Fall.

Die Fahrräder gehören auch in Japan im Grunde genommen auf die Strasse, genauer gesagt, an den linken Rand der Spur. Das Verkehrsgesetz aus den 1960er-Jahren untersagte ihnen gar die Nutzung des Gehsteigs. Erst die hohe Zahl an Verkehrsunfällen zwischen Fahrrädern und Autos zwang die Gesetzgeber schliesslich zu einer Anpassung.

1970 wurde den Fahrradfahrern zusätzlich erlaubt, auf Gehsteigen mit spezieller Kennzeichnung zu fahren. Faktisch wurden damit praktisch alle Fussgängerwege freigegeben. Als Folge dessen nahmen, der Leser ahnt es, die Unfälle mit Fussgängern zu. Erneut griff man zu einer Gesetzesanpassung. Ab 1978 wurden die Fahrradfahrer angehalten, die Gehsteige langsam zu befahren und den Fussgängern jeweils den Vortritt zu lassen.

Fahrradboom in Tokio

Diese Regel hat sich in Japan und speziell auch im dicht befahrenen Tokio bis heute gehalten. Dem Gehsteig wird der gefährlichen Strasse der Vorzug gegeben. Doch seit dem grossen Erdbeben vom 11. März hat sich so einiges geändert. Die japanische Hauptstadt erlebt einen regelrechten Fahrradboom, wie die Mainichi Shimbun berichtet.

Viele innerstädtische Pendler bevorzugen heute ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu absolvieren. Das entspricht dem stromsparenden Zeitgeist und garantiert einem die Mobilität, sollten wieder einmal die öffentlichen Verkehrsmittel infolge eines Erdbebens unterbrochen werden.

Striktere Gesetzesanwendung

Dieser neue Trend hat jedoch zur Folge, dass die Zahl der Unfälle zwischen Fahrradfahrer und Fussgänger in den letzten 6 Monaten um 5 Prozent angestiegen ist. Gar 40 Prozent aller Fahrradunfälle in Japan ereignen sich gemäss TBS News in Tokio.

Aus diesem Grund wendet die Polizei in Tokio die Verkehrsgesetze wieder strikter an. Fahrradfahrer werden wieder vermehrt angehalten, auf der linken Strassenspur zu fahren. Und auch unvorsichtiges Fahren auf Gehsteigen soll künftig strenger geahndet werden.

Es bleibt eng: Eine Gehsteig mit Fahrrad- und Fussgängerspur im Tokioter Bezirk Sumida. (Foto: Asienspiegel)

Es bleibt eng: Eine Gehsteig mit Fahrrad- und Fussgängerspur im Tokioter Bezirk Sumida. (Foto: Asienspiegel)

Die Fahrradspur

Selbst die bislang so vernachlässigte Fahrradspur erlebt in Tokio eine regelrechte Auferstehung. An Verkehrskreuzungen und Strassenrändern sind sie seit ein paar Jahren vermehrt zu beobachten. Und auch auf den Gehsteigen sind bereits an 40 Orten der Hauptstadt Fussgänger- und Fahrradwege mit einer farblichen Kennzeichnung säuberlich getrennt worden. In den nächsten 3 Jahren wird an 10 weiteren Orten ausgebaut. Das Tokioter Fahrradchaos könnte so vielleicht schon bald ein Ende haben.

Stichwortdossier: , , , ,

Kommentar schreiben