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Verseuchter Reis

Ständig unter Verdacht: Ein Reisfeld in der Präfektur Fukushima. (flickr/ danaspencer)

Ständig unter Verdacht: Ein Reisfeld in der Präfektur Fukushima. (flickr/ danaspencer)

In japanischen Reisproben aus dem Bezirk Onami in Fukushima City, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, hat der japanische Landwirtschaftsverband (JA Group) Cäsiumswerte von 630 Becquerel pro Kilo gemessen. Der offizielle Grenzwert liegt bei 500 Becquerel pro Kilo.

Ein zweiter Test durch die Regierung bestätigte die Befürchtung, worauf ein einstweiliges Verkaufsverbot für die aktuelle Reisernte aus den 154 Betrieben dieses Bezirks erlassen und eine Nachprüfung angeordnet wurde. Der Bezirk Onami liegt nur 60 Kilometer vom havarierten Reaktor entfernt.

«Wir haben sofortige Ausfuhrrestriktionen erlassen und hoffen auf baldige Erkenntnisse», erklärte Kabinettssekretär Osamu Fujimura und fügte an: «Soweit ich das verstehe, handelt es sich hier um einen speziellen Fall, bei dem kein grösseres Gebiet betroffen sein wird.» Der betroffene Reis sei nicht in den Handel gekommen.

Ungenaue Stichproben

Die Regierung in Tokio versucht die erhöhten Werte als lokal begrenzten Hotspot zu erklären, doch so einfach scheint die Sache nicht zu sein. Denn der Reis aus dem Bezirk Onami wurde in früheren, doppelten Messproben der Lokalbehörden noch für sicher empfunden. Anfang Oktober wurde schliesslich die gesamte Reisernte der Präfektur Fukushima für den Verkauf freigegeben, es wurden keine überhöhten Grenzwerte festgestellt.

Im betroffenen Bezirk Onami wurden damals 86 der 154 Reisfarmen von der Präfekturregierung kontrolliert. Davon haben 4 Farmen bis heute rund 1 Tonne Reis an lokale Grosshändler verkauft, wie die Yomiuri Shimbun berichtet. Gemäss NHK News konnte diese Menge jedoch noch rechtzeitig abgefangen werden. Der angekaufte Reis hätte sich noch in den Lagern der Grosshändler befunden. Auch hier wird eine Nachkontrolle notwendig sein.

Kritik der Medien

Die Mainichi Shimbun kritisiert in diesem Zusammenhang das System der doppelten Proben der Regierung als zu durchlässig und zu wenig flächendeckend. «Hätte die JA Group keine eigenen Proben durchgeführt, wäre der verseuchte Reis wohl auf den Markt gekommen», folgert die Zeitung in ihrem heutigen Leitartikel.

Die Beschwichtigungsversuche der Regierung wirken daher nur wenig glaubwürdig. «Im Oktober hatte die Regierung den Reis noch für sicher erklärt – und nun die erhöhten Cäsium-Werte», sagt ein enttäuschter Reisbauer aus Onami gegenüber der Yomiuri Shimbun. «Egal wie viele Tests noch durchgeführt werden, das Vertrauen der Konsumenten ist verloren.»

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