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Der verbotene Film

Zhao Dan in «Wu Xun zhuan» (Screenshot Youtube).

Zhao Dan in «Wu Xun zhuan» (Screenshot Youtube).

Der Titel des Films klingt harmlos: Wu Xun zhuan (Die Geschichte Wu Xuns). Doch der Film war fast 60 Jahre nie offiziell in China erhältlich und gilt als der erste verbotene Film der Volksrepublik. Nun wurde «Wu Xun zhuan» von 1950 wurde vollständig rehabilitiert und der Film ist zum ersten Mal auf DVD erhältlich. Diese Entwicklung wirft einen interessanten Blick auf die Filmgeschichte und Kulturproduktion der frühen Volksrepublik.

Der Regisseur des Films, Sun Yu, begann sich bereits vor der Gründung der Volksrepublik vom 1. Oktober 1949 für die Geschichte Wu Xuns zu interessieren, doch die eigentliche Produktion der Shanghaier Firma Kunlun begann erst danach. Für die Rolle des Wu Xuns verpflichtete er den damals berühmten Darsteller Zhao Dan (1915-1980), der bereits im Filmklassiker Street Angel (Malu Tianshi, 1937) mitgewirkt hatte. Nach zahlreichen Anpassungen des Plots und des Skripts an politische Vorgaben erschien der Film 1950 offiziell in den Kinos.

Wu Xun zhuan errang von Beginn an die Begeisterung des Publikums und Zhao Dan wurde für seine Darstellung aufs Höchste gelobt. Doch knapp ein halbes Jahr später erschienen mehrere Artikel in der Parteizeitung Renmin ribao, die den Film aufs Schärfste kritisierten. Der Film würde den «revolutionären Kampf der chinesischen Bauernschaft» und die Geschichte Chinas verleumden, und Wu Xun wurde als bourgeoiser Grossgrundbesitzer, Gläubiger und Verbrecher gebrandmarkt.

Ein Schulreformer der späten Qing

Heute mutet es beinahe absurd an, dass eine Person wie Wu Xun (1838-1896) zum Ziel einer Propagandakampagne werden konnte. Denn der Film erzählt das Leben und Wirken eines Mannes, der aus bitterarmen Verhältnissen stammte und in der Provinz Shandong zur späten Qing-Zeit lebte.

Die Legende besagt, Wu Xun sei eines Tages aufgrund seiner mangelnden Bildung auf einen Betrug hereingefallen. Er soll daraufhin beschloss haben, eine kostenlose Schule für arme Kinder zu gründen. Mittels der Arbeit als Tagelöhner, Bettler und Strassenkünstler sammelte er Geld und vermochte schliesslich in fortgeschrittenem Alter, Land zu kaufen und darauf eine Schule zu bauen. Weitere solche kostenlose Schulen folgten. Aufgrund seines Wirkens erhielt er schliesslich Anerkennung und Ehren durch den Provinzgouverneur und Kaiserhof selbst.

Auswirkungen für das gesamte filmische Schaffen

Bereits 1942 definierte Mao Zedong in den Yan’an Reden zur Literatur und Kunst, welche Rolle die Kulturproduktion der Volksrepublik einnehmen sollte. Doch erst die Kritik am Film Wu Xun zhuan löste zum ersten Mal eine nationale Massenkritik an einem Kulturgut aus, die mehrere Jahre andauern sollte. Zwar erfolgte diese Kampagne vor dem Hintergrund politischer Machtspiele, doch schädigte und beeinflusste sie sowohl die Karriere des Hauptdarstellers Zhao Dan als auch die nachfolgenden Filmproduktionen massiv.

So wurde Wu Xun zhuan zum ersten verbotenen Film der Volksrepublik. Der Fall von Wu Xun zhuan illustriert somit exemplarisch, wie selbst harmlos anmutende Themen zu politischen Zwecken und inoffiziellen Ränkespielen missbraucht werden konnten.

Die Kampagne wirkte derart, dass während der Kulturrevolution (1966-76) Rote Garden das Grab des Wu Xun in Shandong ausgruben und seinen Leichnam öffentlich verbrannten. Erst im Jahr 1986 rehabilitierte ein Artikel der Renmin ribao den Film. Im Jahr 2005 sah die Öffentlichkeit den Film im Rahmen einer Retrospektive zu Zhao Dan erneut, doch es sollte erneut mehrere Jahre dauern, bis der Film schliesslich erneut offiziell erhältlich wurde.

Der Film findet sich auf Youtube (Chinesisch, ohne Untertitel).

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