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Lieber am Herd als im Büro

In China noch ungewohnt: Vollzeitmütter für die alleinige Sorge des Kindes. (flickr/Viofiddler)

In China noch ungewohnt: Vollzeitmütter für die alleinige Sorge des Kindes. (flickr/Viofiddler)

Wenn in einer chinesischen Ehe beide Partner arbeiten, ist das in China weder eine Seltenheit noch etwas Ungewöhnliches. Auch dass Kinder tagsüber in einem Hort sind oder bei den Grosseltern aufwachsen, während ihre Eltern anderswo arbeiten, gibt keinen Anlass zu Kritik.

Nun scheint sich jedoch ein neuer Trend abzuzeichnen. Immer mehr Frauen entscheiden sich für den «Beruf» einer Vollzeithausfrau. Gerade in China wird dies nicht immer gern gesehen.

Wie die Autorin Tao Tai in der chinesischen Ausgabe der Financial Times (hier und hier) schreibt, ist der Status einer Vollzeithausfrau neuerdings nicht mehr nur das Privileg der Begüterten. Diese Entwicklung sei gerade in der aufstrebenden und sich langsam herausbildenden Mittelschicht zu beobachten. Tao Tai selbst ist ein erklärte Vollzeithausfrau.

Frustriert und desillusioniert

Die Vollzeithausfrauen sind meist Frauen über 30, die hoch qualifiziert und von hoher Ausbildung sind. Deren Entscheidung, zu Herd und Haus zurückzukehren, wird oft fremd bestimmt, sei es etwa durch blockierte Karrierechancen oder Frustration über ihre eigene Arbeitsposition.

Auch die Autorin zählt sich zu dieser Schicht: Frustriert und desillusioniert über endlose Nachtschichten, bei denen sie auf der Heimfahrt Polizisten mit Alkoholtests belästigten, entschloss sie sich vor 2 Jahren für das Leben einer Vollzeithausfrau.

Eine Generationenfrage

Die Generation, die noch unter Mao Zedong aufwuchs – wie etwa Tao Tais Mutter – arbeitete noch unter dem Diktum, dass «den Frauen die andere Hälfte des Himmels gehört». Zwei arbeitende Elternteile waren Normalität. Bei einkommensschwachen Familien ist der Doppelverdienst unabdingbar. So sind Vollzeithausfrauen quer durch alle Gesellschaftsschichten ein Novum.

Einige Mütter in der Klasse von Tao Tais Tochter geben ihren Status nur hinter vorgehaltener Hand preis, auch die Autorin brachte es noch nicht über sich, ihrer eigenen Mutter davon zu erzählen. Diese neue soziale Position scheint so ungewöhnlich, dass sich Tao Tai zwischenzeitlich als «Parasit» fühlt.

(Un)freiwillige Rückkehr zu alten Traditionen

Tao Tai verteidigt daher ihre Beschäftigung mit traditionellen soziokulturellen Argumenten, indem sie auf die klassische Yinyang-Lehre zurückgreift. Diese besagt, dass Männer dem Äusseren (wai) und die Frauen dem Innern (nei), den Haushaltsangelegenheiten, zugeteilt sind.

Dieses Schema sei ein effektives Arbeitsmodell gemäss Tao Tai, das «schon seit langem auf der ganzen Welt gut funktioniert». Eine Rückkehr zur Vollzeithausfrau sei  aus dieser Sicht gerechtfertigt.

Der Haushaltshimmel

Nichtsdestotrotz gilt es in China als verpönt, wenn eine Frau mit einem guten Abschluss ihre Fähigkeiten nicht an einer Arbeitsstelle einbringt. Dies sei «unfair gegenüber dem eigenen Land, gegenüber der Partei» und gegenüber den Ahnen sowieso, wie Tao Tai schreibt.

Die chinesische Frau befindet sich in der Zwickmühle, traditionelle Ansichten, moderne Ansprüche und persönliche Bedürfnisse auszubalancieren. Weder die Wahl zur Vollzeithausfrau noch die zur Vollzeit arbeitenden Mutter scheint die richtige zu sein. Dass der «Haushaltshimmel» jedoch auch dem Mann gehören kann, wird in dieser Debatte scheinbar komplett vergessen.

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