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Nordkoreas private Medien

Schulcomputer in Pjöngjang, Nordkorea: Der einzige Zugang ist Kwangmyong. (flickr/(stephan))

Schulcomputer in Pjöngjang, Nordkorea: Der einzige Zugang ist Kwangmyong. (flickr/(stephan))

Nordkorea gilt als einer der am stärksten abgeschotteten und kontrollierten Staaten weltweit. Doch trotzdem gelangen immer wieder Informationen nach draussen, die offenbar nicht staatlich sanktioniert wurden, sondern von inoffiziellen Informanten stammen.

In einem Artikel für The Atlantic beschreibt Robert S. Boynton die Möglichkeiten, wie solche Informationen nach draussen gelangen. Denn seit etwa 2004 gibt es eine Reihe von unabhängigen Medienorganisationen, die sich zum Ziel gesetzt haben, nordkoreanischen Überläufern eine Kommunikationsplattform zu bieten.

Ein neuer Gegenpol

Das Aufkommen solcher unabhängiger Medien fordert die bisherige Berichterstattung heraus: Aufgrund der hermetischen Abriegelung Nordkoreas basierten viele Aussagen über das Land bislang auf reiner Spekulation. Diese neuen Plattformen setzen nun einen kritischeren Kontrast dazu. Die meiste Berichterstattung grosser Zeitungen wie etwa der New York Times stützt sich mittlerweile auf die Nachrichten solcher unabhängigen Medien.

Die Kommunikation mit solchen inländischen Dissidenten erfolgt meist über technische Hilfsmittel, wie etwa ins Land geschmuggelte Fotoapparate, kleine Flashspeicher und Handys. Denn diese ausländischen nordkoreanischen Medien müssen sich auf ein Netz von Informanten verlassen, deren Arbeit hochgefährlich ist: Einmal aufgedeckt, droht ihnen ein tödliches Arbeitslager oder die Todesstrafe selber.

Online-Berichterstattung und Radio

Die meisten Newsplattformen, die sich der Berichterstattung über Nordkorea verschrieben haben, sind in Südkorea ansässig. Die Daily NK erscheint auf Englisch, Japanisch und Koreanisch und ist in Seoul stationiert. Sie finanziert sich über private Gönner, Stiftungen und Nonprofit-Organisationen. Die nordkoreanischen Korrespondenten werden mit monatlichen Vorschüssen bezahlt und erhalten zusätzliche Unterstützung, um sich mit Schmiergeldern aus schwierigen Situationen zu retten.

Radios hingegen sind das beliebtere Mittel, um Informationen zu verbreiten, sowohl von den Machthabern Nordkoreas als auch von den ausländischen nordkoreanischen Medien. So gibt es etwa das Open Radio North Korea oder das North Korea Reform Radio, welches als Zielgruppe die nordkoreanische Beamtenschaft der Regierung anvisiert. Das NKIS (North Korea Intellectual Solidarity) hingegen positioniert sich als Thinktank, das über Radiosendungen und andere Medienkanäle vor allem die nordkoreanische Intellektuellen zu erreichen versucht.

Und das Internet?

Zwar ist in China das Internet ebenfalls der Zensur unterworfen, doch dieses kann von technisch versierten Usern meist umgangen werden (chin. fanqiang, «über die Mauer steigen»). Doch immerhin ist es an das weltweite Netz angeschlossen. In Nordkorea hingegen gibt es für die allgemeine Bevölkerung nur das Kwangmyong (kor. «Licht»), ein Intranet-Portal, das Zugang zu zensierten News, offiziellen Dokumenten und einer Art Mailingliste bietet.

Dieses Intranet ist nicht an das globale Internet angeschlossen, womit der Informationsfluss kontrolliert werden kann. Trotzdem bezeugt die Existenz all jener unabhängigen nordkoreanischen Medienplattformen, dass entgegen aller Bemühungen der Regierung der Informationsfluss nach draussen nicht aufgehalten werden kann.

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