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Sarkozys Fukushima-Lüge

Bis hierhin und nicht weiter: Sarkozy bei seinem Besuch in Tokio am 31. März 2011. Nach Fukushima ging er damals nicht. (flickr/ shok)

Bis hierhin und nicht weiter: Sarkozy bei seinem Besuch in Tokio am 31. März 2011. Nach Fukushima ging er damals nicht. (flickr/ shok)

In Frankreich ist Wahlkampf. Auch über die Zukunft der Atomkraft wird am Rande debattiert. Präsident Nicolas Sarkozy hält an der Technologie eisern fest, die für das Land ein lukrativer Exportzweig ist. Über 60 Nuklearanlagen verfügt die Grande Nation. Nur noch die USA besitzen mehr. In Frankreich nimmt die Atomenergie über 70 Prozent der gesamten Stromerzeugung ein.

Selbst sein schärfster Gegner François Hollande wagt es nicht, alle AKW in Frage zu stellen. Der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten schlägt jedoch eine Reduktion der Abhängigkeit von der Atomenergie vor. Zudem wäre Hollande bereit, das AKW Fessenheim im Elsass an der Grenze zu Deutschland bei einem Wahlsieg sofort stillzulegen. Die Anlage ist veraltet und liegt zudem in einer Region mit erhöhter Erdbebengefahr.

Märchenstunde des Präsidenten

Nicolas Sarkozy hingegen sieht kein Sicherheitsrisiko bei Fessenheim gegeben. An einer Wahlveranstaltung in Caen meinte er vor 5000 Anhängern, ein Vergleich mit Fukushima sei in diesem Fall nicht angebracht. Er sei damals mit Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet «nach Fukushima gegangen» , erklärte Sarkozy der Menge. «François Hollande offensichtlich nicht.» (Siehe Youtube-Video unten, ab der 36. Minute)

Denn wäre Hollande dort gewesen, wäre ihm bewusst geworden, dass die Nuklearkatastrophe durch einen Tsunami verursacht wurde, der «an einigen Stellen eine Welle von 42 Metern Höhe erreicht hatte», meinte Sarkozy. Er habe daher Mühe mit der Logik Hollandes, der bei Fessenheim immer wieder den Vergleich mit Fukushima anbringe. «Das Elsass ist weit weg vom Strand. Ehrlich gesagt, kann ich mir kein unmittelbares Tsunami-Risiko für das Elsass vorstellen», fuhr Sarkozy unter Applaus und Gelächter seiner Anhänger fort.

3 Stunden in Tokio

An der Aussage des französischen Präsidenten gibt es jedoch einen Haken, wie die Zeitung LeMonde schreibt. Sarkozy war zwar am 31. März 2011, zwanzig Tage nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe, tatsächlich in Japan. Viel weiter als Tokio kam er jedoch nicht. Rund 3 Stunden dauerte sein Staatsbesuch in der japanischen Hauptstadt. In Fukushima, das 250 Kilometer entfernt liegt, hatte er nie vorbeigeschaut.

François Hollandes Reaktion liess nicht lange auf sich warten. «Sarkozy ist ein Wegbereiter von allem, selbst von Reisen, die er nie getätigt hat. Seine Halbwahrheiten werden zu wahren Lügen.» Man müsse zudem nicht an eine Meeresküste gehen, um die Gefahr einer Region mit erhöhter seismischer Aktivität zu erkennen.

Dass der Tsunami alleine den gesamten Schaden im AKW Fukushima angerichtet hat, konnte bis heute übrigens nicht bewiesen werden. Arbeiter des betroffenen Kernkraftwerks berichteten dem Atlantic Wire von mehreren Rohrbrüchen und Schäden an einem Reaktor kurz nach dem Erdbeben, Minuten bevor die Welle eingeschlagen hatte.

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