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Urlaub vom iPhone

Foxconn-Mitarbeiter posieren nach Ankunft in Taipeh für die Medien (Screenshot: NextTV)

Foxconn-Mitarbeiter posieren nach Ankunft in Taipeh für die Medien (Screenshot: NextTV)

Schon bei ihrer Ankunft am internationalen Taoyuan Flughafen in Taipeh zeigten sich die chinesischen Foxconn-Angestellten voller Vorfreude, berichtet Taiwans Nachrichtenagentur CNA. 216 Arbeiter aus 21 verschiedenen Foxconn-Fabriken in China reisen derzeit für 7 Tage durch Taiwan. Auf dem Reiseplan stehen unter anderem das 101-Hochhaus in Taipeh, die bekannten Nachtmärkte und ein Abstecher zum Sonne-Mond-See.

Bezahlt wird der Spass vom Elektronikhersteller, der die ausgewählten Angestellten als «Stars von Foxconn» bezeichnet. Sie haben zuvor alle schon 5000 Renminbi – rund 600 Euro – und ein iPhone geschenkt bekommen. Dieses stellt das Unternehmen für Apple in China her; seit in den vergangenen Jahren Kritik an den Arbeitsbedingungen laut wurde, geriet nicht nur Foxconn, sondern auch sein – wohl bekanntester Auftraggeber – Apple ins Visier der Medien. Mit der Reise wolle Foxconn offenbar von seinem Sweatshop-Image wegkommen, so der taiwanische Fernsehsender NextTV.

Höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten

Foxconn-Chef Terry Gou wolle mit der Taiwan-Reise den Stress der Arbeiter abbauen und herausragende Leistung belohnen, zitiert ihn die chinesischsprachige Tageszeitung United Daily News. Das Unternehmen versprach zuvor bereits höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten für seine Mitarbeiter. Den Vorwurf es sei ein Ausbeuterbetrieb, so CNA, wies Foxconn dagegen von sich.

Nach der Suizidwelle von Foxconn-Arbeitern im Jahr 2010 sorgte Anfang dieses Jahres die US-Radiosendung This American Life mit einem Bericht über schockierende Arbeitsbedingungen erneut für Aufruhr. Zwar stellte sich im Nachhinein heraus, dass wesentliche Teile des Beitrags erfunden waren, die Kritik an Foxconn und somit auch an Apple blieb jedoch bestehen. Dazu beigetragen hat auch eine unabhängige Untersuchung der Fair Labor Association, die in den chinesischen Foxconn-Fabriken zahlreiche Verstösse gegen das Arbeitsgesetz feststellte, einschliesslich unbezahlter Überstunden.

Eine taiwanische Erfolgsgeschichte

Gegründet hat Terry Gou den Mutterkonzern von Foxconn 1974 in einem Vorort von Taipeh, nach eigenen Angaben mit einem Startkapital von gerade mal 7500 US-Dollar. Inzwischen ist Gou mehrfacher Dollar-Milliardär, das Magazin Forbes beziffert seinen Wert auf 5,5 Milliarden US-Dollar.

Foxconn stellt neben iPhones und iPads unter anderem auch Produkte für Sony, Microsoft und Hewlett-Packard her. Über eine Million Menschen arbeiten für das Unternehmen, gemäss Reuters ist Foxconn der grösste private Arbeitgeber in China.

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