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Vom Politskandal zum Mordfall

Die Familie Bo in glücklicheren Tagen - Gu Kailai, Bo Xilai und Sohn Bo Guagua (Screenshot: Apple Daily Hongkong)

Die Familie Bo in glücklicheren Tagen - Gu Kailai, Bo Xilai und Sohn Bo Guagua (Screenshot: Apple Daily Hongkong)

Der Gattin des in Ungnade gefallenen Parteichefs von Chongqing wird vorgeworfen einen britischen Geschäftsmann getötet zu haben. Es ist ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte des einstigen Politstars Bo Xilai, der inzwischen von seinen Ämtern entbunden wurde.

Gu Kailai, die Frau des abgesetzten Parteichefs von Chongqing, Bo Xilai, wird verdächtigt, den Briten Neil Heywood getötet zu haben. Dies berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Gemäss der Agentur hätte Gu Kailai mit dem britischen Geschäftsmann einen «finanziellen Konflikt» gehabt, der sich zunehmends verschärfte.

Die chinesischen Behörden würden den Fall nochmals neu aufrollen, so Xinhua. Zuvor hiess es, dass der im November tot aufgefundene Brite an übermässigem Alkoholkonsum gestorben sei. Mit der Festnahme von Bos Frau wurde ein weiteres Kapitel in der Geschichte um den einstigen Politstar aufgeschlagen. Der bereits im März abgesetzte Parteichef von Chongqing (Asienspiegel berichtete), wurde nun auch von seinen Ämtern im Politbüro und dem Zentralkommittee der Partei entbunden.

Auch hochranginge Politiker nicht vom Gesetz verschont

Ausgelöst hatte die Krise Bos Polizeichef, der im Februar im US-Konsulat in Chengdu Schutz suchte. Dieser soll zu diesem Zeitpunkt bereits eine Verwicklung von Bos Frau in den Tod des Briten geäussert haben, so Xinhua.

Taiwans Nachrichtenagentur CNA sieht im tiefen Fall von Bo Xilai die Bemühungen um Stabilität innerhalb der kommunistischen Partei. Ausserdem wolle die Partei zeigen, dass auch hochrangige Mitglieder nicht vom Arm des Gesetzes verschont blieben, sagt der taiwanische Politikwissenschaftler Chang Wu-yueh gegenüber CNA. Insbesondere vor dem Parteikongress im Herbst und dem Machttransfer an die nächste Führungsgeneration, so Chang, stehe die «Wahrung der Stabilität» für die Partei über allem.

Mit Revolutionsliedern Reformpolitik untergraben

Bo machte sich mit seinem harten Vorgehen gegen die organisierte Kriminalität und den Bau von Sozialwohnungen einen Namen, aber auch mit Aufmärschen, an denen Revolutionslieder gesungen wurden. Die Öffnungs- und Reformpolitik von Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao, so Chang, sei damit untergraben, eine politische Links-Rechts-Debatte über Chinas Zukunft befeuert worden.

Mit der Suspendierung von seinen Ämtern könne die Partei einerseits diese Links-Rechts-Debatte auflösen, so Chang, und zusätzlich eine Atmosphäre schaffen, in der die neue Führung im Herbst das Zepter übernehmen könne.

Bis zu seinem jähen Absturz galt Bo selbst als aussichtsreicher Anwärter für die nächste Führungsgeneration. Nun untersucht das Zentralkommittee Bo Xilai wegen «ernsthafter Verletzungen der Parteidisziplin». Damit wolle die Pekinger Führung zeigen, so Chang, dass es sich eben nicht um einen Machtkampf in der Partei handle.

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