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Chinas Währungsrevolution

Bald schon die Leitwährung? Chinesische Yuan-Noten. (flickr/ Sharon Drummond)

Bald schon die Leitwährung? Chinesische Yuan-Noten. (flickr/ Sharon Drummond)

Wenn China und Japan Handel betreiben, verläuft der Währungstausch stets über den Umweg des US-Dollars. Schon bald wird dieses System der Vergangenheit angehören. Geht es nach dem Willen von Peking und Tokio werden der japanische Yen und der chinesische Yuan, auch Renminbi genannt, demnächst direkt handelbar sein.

Wie die Yomiuri Shimbun aufgrund von regierungnahen Quellen berichtet, sind die beiden Länder in der letzten Phase der Verhandlungen angekommen. Im Juni könnte das neue System eingeführt werden. Die Vereinbarung ist ein direktes Resultat des Gipfeltreffens zwischen den Premierministern Yoshihiko Noda und Wen Jiabao vom letzten Dezember in Peking.

Ineinander verflochten

Das direkte Wechselsystem zwischen der zweit- und drittgrössten Volkswirtschaft der Welt könnte dem Handel eine neue Dynamik verleihen. Die Abhängigkeit vom Dollar sowie die Risiken hoher Währungsfluktuationen würden reduziert und lästige Transaktionsgebühren wegfallen. Für die Unternehmen beider Länder wird der bilaterale Handel damit wesentlich billiger.

Bereits heute ist China für Japan der grösste Wirtschaftspartner. 19 Prozent der Exporte Japans, 12,4 Billionen Yen, flossen letztes Jahr ins Reich der Mitte. Die Importe aus China machten gar 21 Prozent des gesamten Volumens aus, oder 14,78 Billionen Yen.

In Tokio ist die Hoffnung gross, mit dem Yuan-Handel einen attraktiven Vorteil gegenüber anderen Finanzzentren wie London oder Singapur zu erlangen. Mit der einhergehenden Öffnung könnte Japan auch schon bald in chinesische Staatsanleihen als Alternative zu Dollar und Euro investieren.

Die grossen Pläne Chinas

Derweil geht es für Peking bei diesem Devisenpakt mit Japan um noch viel mehr. Für China ist das Abkommen ein weiterer Schritt, die Menge seiner Währung auf den Weltmärkten auszuweiten und seinen internationalen Einfluss zu stärken.

Der Renminbi soll zu einer globalen Reservewährung aufgebaut werden, einer Alternative zur US-Leitwährung. Dafür sind einige Anpassungen nötig. Denn zurzeit ist der Yuan nur in einer festgelegten Kursspanne konvertierbar. Damit hält die Regierung ihre Währung schwach und das Land fit für den Export. Wie stark der Devisenhandel mit Japan den Marktkräften überlassen wird, bleibt zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Zudem ist der US-Dollar die wichtigste Handelswährung für chinesische Im- und Exporteure. Die chinesische Regierung und die Zentralbank sind jedoch daran, diesen Handel künftig komplett in Yuan abwickeln zu lassen. In bedachtsamen Schritten wird auch der ausländischen Zugang zur heimischen Währung geöffnet.

Der ultimative Test

In diesem Sinn wird der neue direkte Devisenhandel mit Japan zum ultimativen Test für den grossen internationalen Sprung des Renminbi. Die bisherige globale Leitwährung US-Dollar könnte schon bald starke Konkurrenz erhalten. Die USA wird diese Zusammenarbeit der grössten asiatischen Wirtschaftsmächten kaum freuen.

Update, 29. Mai 2012, 23:39 Uhr: Der direkte Yen-Yuan-Handel startet bereits diesen Freitag, 31. Mai 2012.

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