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Der Tod im heissen Bad

Nicht für alle ungefährlich: Ein heisses Bad in Japan. (flickr/ micamica)

Nicht für alle ungefährlich: Ein heisses Bad in Japan. (flickr/ micamica)

Für alle möglichen Todesfälle führen die Behörden mittlerweile eine Statistik. Doch eine hat bislang gefehlt: Der plötzliche Tod im heissen Bad. Dabei schätzt die Stadt Tokio gemäss eigenen Nachforschungen, dass jährlich rund 14’000 Menschen in Japan in der Badewanne sterben. Das ist mehr als das 4-fache der Anzahl Verkehrstoter in einem Jahr, wie die Mainichi Shimbun festhält.

Eine Studie bestätigt diese Schätzung. So berechnete die Universität Kagoshima, dass in der gleichnamigen Präfektur im Jahr 2007 pro 100’000 Einwohner erschreckenderweise 9,7 Personen im heissen Bad verstarben. Davon waren fast 90 Prozent über 65 Jahre alt.

Die Statistiken führen als Todesursache zumeist Herzattacken, Herzrasen oder Ertrinken auf. Die Häufigkeit der Todesfälle nimmt jeweils in den Wintermonaten zu, wenn die Temperaturunterschiede zwischen den geheizten Wohnräumen und den eiskalten Badezimmern besonders gross sind. Der Temperaturschock kann gerade für ältere Menschen tödliche Folgen haben. Übermässiger Alkoholkonsum erhöht zusätzlich das Risiko eines Herzversagens in der Hitze des Bades.

Den Ursachen auf der Spur

Um diese hohe Sterberate zu vermindern, will das Gesundheitsministerium erstmals eine offizielle Statistik zu den Unfällen im heissen Bad führen. Aufgrund der zusammengetragenen Informationen soll eine Präventionskampagne vorbereitet werden. Heute gilt allgemein die Regel, möglichst behutsam ins Bad einzusteigen, um den Körper auf den Temperaturwechsel bewusst vorzubereiten. Zudem gilt es, viel Wasser zu trinken.

Die hohe Zahl an Todesfällen in Japan mag nicht verwundern. Keine andere Nation pflegt eine grössere Badekultur. Das Land der Vulkane besitzt eine Unmenge an Bädern, die von natürlichen heissen Quellen gespeist werden (Asienspiegel berichtete). Der Wunsch, sich gründlich zu waschen und zu entspannen, kann auch in gewöhnlichen öffentlichen Bädern, die fast in allen japanischen Stadtvierteln zu finden sind, befriedigt werden.

Diese traditionellen Institutionen werden vor allem noch von älteren Bewohnern täglich genutzt. Viele Japaner bevorzugen heute das Bad im eigenen Haus. In manchen Fällen ist es ein Vergnügen mit tragischen Konsequenzen.

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