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Die Rache des Online-Händlers

Das besagte Totengewand für ein Kind.

Das besagte Totengewand für ein Kind.

Als anfangs Mai eine junge Frau aus Wuhan (Provinz Hubei) auf der chinesischen Variante von Ebay, Taobao, einkaufte, war sie enttäuscht. Der Rock, den sie gekauft hatte, entsprach nicht dem, was sie sich erhofft hatte. Selbst als sie sich beim Verkäufer beschwerte, kamen sie zu keiner Einigung.

Daraufhin beschwerte sie sich auf einem Forum von Taobao und hinterliess eine negative Bewertung des Verkäufers, der aus der Shandong-Provinz stammt. Dieser wiederum rächte sich, indem er ihr ein Totengewand für ein Kind zusandte. Was darauf folgt, ist eine Medien übergreifende Diskussion und steht beispielhaft für das noch aufstrebende Gewerbe des Online-Handels in China.

Eine Rache mit Folgen

Wie verschiedene chinesische Medien über den Vorfall berichten, wurde zwar mittlerweile der Verkäufer für 12 Tage mit einem Bann belegt. Zusätzlich bestätigte Taobao, dass die Käuferin ihre Bewertung nicht in böswilliger Absicht verfasste. Trotzdem war der Schaden schon geschehen. Durch den Fokus der Medien auf den Vorfall wurden sowohl Käuferin als auch Verkäufer Ziel von böswilligen Scherzen.

Eine so genannte «Menschenfleischsuche» publizierte sämtliche Informationen über die Käuferin im Internet, inklusive Telefonnummer und Nummer des Personalausweises. Seitdem verfolgen sie täglich hunderte belästigende Anrufe und ihr gesamter Bekanntenkreis weiss über den Vorfall Bescheid. Auch der Verkäufer hat unter den Folgen seines Racheaktes zu leiden: Offenbar haben User in böswilliger Absicht tausende von Bestellungen getätigt, ohne ihre Lieferungen zu bezahlen, um damit sein Lager zu leeren.

Wer ist schuld?

Die Meinungen, ob die Käuferin selber schuld ist an ihrem Verhalten oder ob dem Verkäufer für seinen Scherz eine unfaire Behandlung widerfährt, gehen auseinander. Ein Artikel stellt sich etwa auf die Seite des Verkäufers und betont, dass die Macht der Konsumenten bislang zu gross sei. Eine schlechte Bewertung könne den Verkäufer und seinen Ruf ruinieren und letztlich das Ansehen des gesamten Online-Handels beeinträchtigen.

Andere wiederum betonen, dass das Gesetz eigentlich auf Seiten des Käufers sei und dies auch seinen Grund habe. Einige User bemängeln auch das Bewertungssystem von Taobao, worin sie das Kernproblem sehen. Die Diskussion um das versandte Totenkleid weist insbesondere auf die frühe Phase in der Entwicklung des Online-Handels in China hin. Der Vorfall zeigt, wie die Macht einer rasch – und eventuell unüberlegt – verfassten Bewertung unterschätzt wird. Andererseits zeigt er auch, dass «angebrachtes Verkäuferverhalten» noch längst nicht im chinesischen Internet angekommen ist.

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