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Frankreichs neues Gesicht

Frankreichs neuer Stern mit koreanischen Wurzeln: Fleur Pellerin. (Foto: Wikimedia/ Nicolas Reitzaum)

Frankreichs neuer Stern mit koreanischen Wurzeln: Fleur Pellerin. (Foto: Wikimedia/ Nicolas Reitzaum)

Ihr Name tönt wie französische Poesie, ihre Lebensgeschichte liest sich wie ein Märchen, das Kontinente überwindet. Fleur Pellerin ist eines der vielen neuen, jungen Gesichter im Kabinett des frisch gewählten französischen Präsidenten François Hollande. Dabei begannt das Leben der 38-jährigen stellvertretende Ministerin für kleine und mittlere Unternehmen, Innovation und Internet-Wirtschaft 1973 im weit entfernten Seoul.

Von ihren Eltern im damals wirtschaftlich armen Südkorea verlassen, wurde sie im Alter von 6 Monaten von einem französischen Ehepaar adoptiert. Seither ging es aufwärts in ihrem Leben. Bereits mit 16 Jahren machte sie ihr Abitur. Es folgten Ausbildungen an der renommierten französischen Wirtschaftsschule ESSEC. Im Anschluss schaffte sie die Aufnahme in die hochselektive Elite-Universität Sciences Po und später in Frankreichs wichtigste Verwaltungshochschule ENA.

2002 stiess sie zum Team der Redenschreiber des ehemaligen sozialistischen Premierministers und gescheiterten Präsidenschaftskandidaten Lionel Jospin. «Ich ging damals in die Politik, um die Ungleichheiten zu beheben, die durch Erbe und sozialen Status verursacht werden», beschrieb Pellerin der südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo ihre Motivation, in die Politik einzusteigen. 2007 wurde sie Teil des Walhkampfteams von Ségolène Royal, ab 2011 zur Vertrauensperson von François Hollande. Der Lohn dafür ist ein Posten als stellvertretende Ministerin.

Südkoreas verlorene Kinder

Und so erinnert sich auch Südkorea an ihre verlorene Tochter. Einige ihrer Medien nennen sie gar bei ihrem Geburtsnamen Kim Jong-suk. Die Donga Ilbo porträtiert Pellerin in einer Zeichnung, auf der sie die traditionelle koreanische Hanbok-Kleidung trägt. Mit Stolz blicken die südkoreanischen Medien auf Pellerins Aufstieg in der Grande Nation. Dabei steht ihr Lebensweg für ein schwieriges Kapitel in der Geschichte des Landes.

Besonders in den Jahren nach dem Krieg 1953 bis hinein in die 1970er-Jahre gab Südkorea tausende Waisen zur Auslandsadoption frei, aus wirtschaftlichen, aber auch aus gesellschaftlichen Zwängen heraus. Noch heute ist diese Rate im Vergleich zu anderen wohlhabenden Ländern überdurchschnittlich hoch. Betroffen sind Waisen oder Kinder von ledigen Frauen, die diesen Weg vorziehen, da unverheiratete Mütter in Südkorea nach wie vor auf gesellschaftliche Widerstände stossen. Hinzu kommt die Tatsache, dass es aus kulturellen Gründen nur zu wenigen Inlandsadoptionen kommt.

Vor einigen Jahren hatte sich die Regierung in Seoul daran gemacht, sich besser um ihre verlorenen Kinder zu kümmern. So haben Adoptierte aus Korea heute die Möglichkeit, vereinfacht ein Aufenthalts- und Arbeitsvisum zu beantragen. Ausserdem versuchen die Behörden, die Adoptionen im Inland zu fördern.

Durch und durch Französin

Fleur Pellerin, die seit ihrer Adoption nie wieder in Südkorea war, hat derweil aus ihrem Schicksal das Beste gemacht. Gegenüber den Medien hat sie wiederholt betont, dass sie sich durch und durch als Französin sehe. Südkorea hat sie deswegen nicht vergessen. «Mein Hintergrund als Adoptivkind ist mein Handicap und zugleich meine Basis für meinen Erfolg», erklärte Fleur Pellerin in einem weiteren Beitrag der Chosun Ilbo. Gemäss LePoint.fr hat Pellerin die Absicht geäussert, ihrem Geburtsland in naher Zukunft einen Besuch abzustatten.

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