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Vier Szenarien für den Atomstrom

Eine Anti-AKW-Demo in Japan im April 2011. (flickr/ SandoCap)

Eine Anti-AKW-Demo in Japan im April 2011. (flickr/ SandoCap)

Wie könnte Japans mittelfristige Energiezukunft aussehen? Mit dieser Frage hat sich eine Kommission des Wirtschaftsministeriums METI im Auftrag der Regierung befasst. Zurzeit sind Japans Atomreaktoren bis auf weiteres alle abgeschaltet (Asienspiegel berichtete). Offiziell hält die Regierung an dieser Energieform jedoch fest. Vor der Katastrophe in Fukushima machte der Atomstrom knapp 30 Prozent des japanischen Energiehaushaltes aus. Bis 2030 plante das Land gar auf 35 Prozent zu erhöhen.

Nun hat das METI basierend auf den aktuellen Erkenntnissen vier Szenarien skizziert, bei denen der Anteil des Atomstroms an der gesamten Energieproduktion des Landes bis 2030 definiert wird. Die Kommission schlägt dabei 0, 15 oder 25 Prozent vor. In einer vierten Option wird kein prozentuales Ziel festgelegt, stattdessen sollen die Marktmechanismen den Bedarf nach Atomstrom bestimmen.

Die auffälligste Erkenntnis dabei ist: Das ursprüngliche Ziel von 35 Prozent hat die beauftragte Kommission endgültig beseitigt, obwohl noch einige Mitglieder mit aller Kraft daran festhielten, wie die Mainichi Shimbun berichtet.

Die Haltung der Regierung

Die Regierung wird basierend auf den Vorschlägen der Kommission eine dieser Optionen in ihren Energieplan für die Zukunft einbringen, der noch diesen Sommer ratifiziert werden soll. Für AKW-Minister Goshi Hosono scheint die 15-Prozent-Variante realistisch, nachdem die Regierung im Januar ohnehin schon den Gesetzesvorschlag eingebracht hatte, die Betriebslaufzeit der AKW auf maximal 40 Jahre zu reduzieren. Letzten Endes würde dies auf einen Ausstieg aus der Atomenergie hinauslaufen, der noch Jahrzehnte dauern würde. Führende Wirtschaftsvertreter pochen derweil aus Angst vor zu hohen Energiekosten auf die 25-Prozent-Variante, den Status Quo.

Die Null-Variante kommt auch nach den Entwicklungen der letzten Monate für die führenden Politiker offenbar nicht in Frage. Premierminister Yoshihiko Noda betonte im Parlament noch einmal sein Festhalten an der Atomenergie. «Die japanische Wirtschaft und der japanische Lebensstil würden einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie nicht vertragen», so seine Begründung gemäss der Asahi Shimbun.

Premier Noda kämpft derzeit darum, noch vor dem Hochsommer 2 Reaktoren im AKW Oi in der Präfektur Fukui wieder anzuschalten. Noch fehlt es an der Einwilligung von Gouverneur Issei Nishikawa (Asienspiegel berichtete). Dieser forderte von der Regierung in Tokio eine klarere Haltung bezüglich ihrer Energiepolitik. Zudem wollen auch die Nachbarpräfekturen Shiga und Kyoto, die gegen ein Wiederhochfahren sind, ein Wörtchen mitreden.

Am Ende das vierte Szenario?

Halten die unterschiedlichen Ansichten zwischen Tokio und der Lokalpolitik an, dann wir sich wohl das vierte Szenario durchsetzen. «AKW mit ungenügenden Sicherheitsmassnahmen würden dann durch die steigenden Versicherungsprämien ganz natürlich ausscheiden», fasst  ein Kommissionsmitglied gegenüber der Mainichi Shimbun einen möglichen Ablauf zusammen. Insofern haben die freien Marktmechanismen bereits in den letzten Monaten dazu geführt, dass zum heutigen Zeitpunkt kein einziger Reaktor mehr läuft.

Auf welche Variante sollte Japan einschwenken? 0, 15 oder 25 Prozent Atomstrom bis ins Jahr 2030? Oder soll der freie Markt spielen?

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