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Ausländische Gäste nicht erwünscht

Eines von zwei Hotels in Tianchang (Provinz Anhui), das ausländische Gäste aufnimmt. Dabei zählt die Stadt über 100 Hotels.

Eines von zwei Hotels in Tianchang (Provinz Anhui), das ausländische Gäste aufnimmt. Dabei zählt die Stadt über 100 Hotels.

Eine Identitätskarte bzw. Pass ist, wie bereits ein Video bei der Einreise im Shanghaier Flughafen Pudong veranschaulicht, eine tolle Sache: Identifikation mit der Heimat, ein Ausweis in Notsituationen und ein handfester Beweis der eigenen Existenz. Chinas zweite Generation der Identitätskarte ist nun seit 2004 in Gebrauch, wobei die alte 2013 eingestellt wird.

Nach den Olympischen Spielen 2008 in Beijing und der World Expo in Shanghai 2010 erhärtet sich jedoch der Verdacht, dass die Karte nicht nur Vorteile bringt. Denn die grössten Nachteile scheinen diejenigen zu erfahren, die sie nicht besitzen und wohl nie werden.

Zugfahren und Übernachten schwer gemacht

Asienspiegel berichtete etwa über den stark vereinfachten Verkauf von Zugfahrkarten über das Internet, der das bislang mühselige Anstehen an Bahnhöfen erleichtern sollte. Mittlerweile ist es populär geworden, Zugtickets bequem über das Internet zu bestellen oder über Selbstbedienungsautomaten gleich am Bahnhof zu erwerben. Doch in den Genuss dieser Dienste kommen nur solche, die eine Identitätskarte besitzen. Gäste aus dem Ausland können weder am Automaten noch online Karten beziehen und sind gezwungen, sich in die immer noch langen Schlangen einzureihen.

Ein zwar anderes, aber dennoch verwandtes Bild bietet sich bei den Hotelübernachtungen. Zahlreiche Reisende erwähnen auf verschiedenen Reiseforen (etwa hier oder hier), wie sehr es ihnen in den letzten Jahren erschwert wurde, in Hotels zu übernachten. Die Standardantwort ist hierbei «wir verfügen nicht über genügend Qualifikationen und können keine ausländische Gäste annehmen». Dies führt etwa zu der bizarren Situation, dass Reisende zwar bereits in das Hotel eingecheckt und das Zimmer bezogen haben, danach aber wieder aus dem Hotelzimmer geholt und nachts auf die Strasse gestellt werden – mit der Antwort, es sei aufgrund fehlender Qualifikationen.

Fehlende Registriermöglichkeiten und unerreichte Hotelstandards?

Ein «vorbildliches Geschäft»: Ein Hotel, das ausländische Gäste aufnimmt.

Ein «vorbildliches Geschäft»: Ein Hotel, das ausländische Gäste aufnimmt.

Solche Qualifikationen betreffen offenbar die Möglichkeiten eines Hotels, die Übernachtungen von ausländischen Gästen beim lokalen Polizeibüro zu melden. Das Hotel muss diese Registrierung per Gesetz vornehmen. Darüber hinaus wird oft von chinesischer Seite angegeben, die Qualifikationen beziehen sich auf die Qualitätsstandards, die Sicherheit und Dienste des Hotels. Zu billige Hotels oder solche ohne Sterne wären unzumutbar für ausländische Gäste, wird gesagt – die aber etwa Backpacker-Standards vollumfänglich genügen würden.

Frustrierend ist dies vor allem für Gäste, die auf chinesischen Online-Hotelangeboten eine Auswahl treffen und bei ihrer Ankunft feststellen, dass sie doch nicht dort wohnen dürfen: Solche Informationen werden nicht vermerkt, wohl in der Annahme, niemand ausser denjenigen mit einer chinesischer Identitätskarte verstünde Chinesisch.

Solche Restriktionen berücksichtigen insbesondere Reisende mit begrenztem Budget nicht, bei denen Hotels mit Qualifikation, aber Preisen von 300 RMB (37 Euro) die bezahlbare Grenze längst übersteigt. Absurd erscheint die Situation insbesondere dann, wenn in einer Kleinstadt von 600’000 Einwohnern zwar hunderte Hotels verfügbar sind, letztlich aber nur zwei ausländische Reisende zu hohen Preisen aufnehmen können.

Neue Identitätskarte, mehr Kontrolle

Mit diesen Hinweisen ist anzunehmen, dass es mit der neuen Identitätskarte primär darum geht, eine verstärkte Kontrolle auszuüben. Eric Fish weist auf seinem Blog bereits darauf hin, dass die Regelung, ausländische Gäste nur in «bessere» Hotels zuzulassen, um sie zu beschützen und Sicherheit zu bieten, eine oberflächliche Ausrede ist.

Primär geht es offenbar um Kontrolle all derjenigen, die über eine Identitätskarte besitzen und deren Aktivitäten. Dies wird insbesondere ersichtlich, als neuerdings eine solche Karte sogar nötig ist, um in Internetcafés das Internet verwenden zu können. Alle anderen ohne eine solche Karte haben das Nachsehen – oder legen ein gutes Wort bei den Mitarbeitenden ein.

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