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Der mysteriöse Ananas-Boom

Eine Ananas gefällig? Wie in China das noch nicht zugelassene Diablo 3 angeboten wird.

Eine Ananas gefällig? Wie in China das noch nicht zugelassene Diablo 3 angeboten wird.

Es heisst offiziell Anhei pohuai shen (暗黑破壞神 3) und ist der westlichen Spielgemeinde vor allem als Diablo 3 bekannt. Nachdem die Spieleschmiede Blizzard mehr als 12 Jahre für die Fertigstellung des dritten Teils gebraucht hatte, ist das lang ersehnte Spiel am 15. Mai endlich weltweit erschienen.

Während jedoch die Bewohner Taiwans sofort losspielen und eine Version in traditionellen chinesischen Zeichen spielen können, bleibt den Spielenden in China der Zugriff verwehrt. Denn derzeit wartet das Spiel noch auf eine Zulassung des Kulturministeriums. Spielbegeisterte müssen demnach zu kreativen Methoden greifen, um wie ihre Nachbarn aus Taiwan spielen zu können.

Die grosse Ananas

So ist das Game nur auf Umwegen erhältlich: Auf der Online-Shoppingseite Taobao bieten eine reihe von Händler eine sehr teure «grosse Ananas» zum Kauf an, deren Preis verdächtig nahe an einer Diablo 3-Lizenz liegt. Denn die «grosse Ananas» ist da boluo auf Chinesisch, eine ungefähr lautliche Umschrift von Diablo, die sich vom offiziellen Titel bewusst unterscheidet.

Chinesische Spieler, die schliesslich eine «grosse Ananas» erworben haben, müssen jedoch auf nicht-chinesische Spieleserver von Blizzard zugreifen, um spielen zu können. Da nun zu viele chinesische Spieler auf die koreanische Spieleserver zugreifen, sind diese konstant überlastet.

Eine Boom-Industrie

Zuerst baten frustrierte koreanische Spieler die Firma Blizzard, chinesische IP-Adressen zu sperren. Wütende Internetcafé-Betreiber erheben zudem mittlerweile gegen Blizzard Korea eine Sammelklage. Ein grosser Teil ihres Einkommens hängt vom reibungslosen Zugriff auf die Spieleserver ab, in einem Land, in dem Online-Gaming ein offizieller Beruf sein kann (Asienspiegel berichtete). Sind die Server dauernd überlastet, gehen ihnen wertvolle Einnahmen verloren.

Die elektronische Spielindustrie ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte in China. Laut der chinesischen Regierung erwirtschaftete die Onlinespiele-Branche 2009 rund 26 Milliarden Yuan (2,8 Mia. Euro). Das Marktforschungsunternehmen iResearch rechnet mit einem durchschnittlichen Wachstum von 20 Prozent (Asienspiegel berichtete). Die Regierung selbst zeigt sich nicht nur erfreut über diese Entwicklung. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass rund 24 Millionen junger Chinesen, also rund die Hälfte der Spieler, internetsüchtig sind.

Unbeliebte chinesische Spieler

Die halblegalen chinesischen Onlinespieler von Diablo 3 treffen jedoch nicht nur wegen überlasteten Servern auf grosse Unbeliebtheit in der Spielergemeinde. Bereits im bekannten World of Warcraft, das ebenfalls von Blizzard stammt, eckten die sogenannten China-Farmer, auch Goldfarmer genannt, an. Diese bevölkern Online-Spielewelten, um gegen Lohn wertvolle Gegenstände zu ergattern oder Spielfiguren auf ein höheres Niveau zu spielen und diese dann wiederum zu verkaufen.

In Diablo 3 sind Goldfarmer offenbar bereits eifrig daran, ihren halblegalen Zugriff zu Bargeld zu verwerten, wie Tech in Asia berichtet. Bis jedoch offizielle Diablo-Lizenzen gekauft werden können, dauert es wohl noch eine ganze Weile. Als World of Warcraft im Jahr 2004 erschien, dauerte es ein volles Jahr, bis das Spiel in China verfügbar wurde. Falls Diablo 3 ebenfalls so lange braucht, muss die chinesische Spielgemeinde noch länger Ananasfrüchte konsumieren.

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