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Ein Ufo in China

Ein Ufo in Sicht? Szene aus Ufo in Her Eyes. (Foto: Ufo in Her Eyes, Trigon-Film.org)

Ein Ufo in Sicht? Szene aus Ufo in Her Eyes. (Foto: Ufo in Her Eyes, Trigon-Film.org)

Regisseurin und Schriftstellerin Guo Xiaolu versteht es wie keine andere Filmemacherin das Alltägliche spielerisch in den ganz grossen Kontext zu setzen. In ihrem neusten Film Ufo in Her Eyes, einer eigenwilligen Adaption ihres gleichnamigen Buches, rollt Guo Xiaolu in 110 kurzen Minuten gleich die gesamte jüngere chinesische Geschichte packend auf, um sie sogleich humoristisch-kritisch auseinanderzunehmen.

Als Kulisse dient ihr ein Dorf in der idyllischen chinesischen Provinz, die Guo Xiaolu bildgewaltig in Szene setzt. Zunächst unberührt vom chinesischen Wirtschaftsaufstieg, vollzieht die kommunistische Kommune innert weniger Jahre den kapitalistischen Umbruch. Die UFO-Sichtung einer alleinstehenden Arbeiterin und die Grosszügigkeit eines Amerikaners reichen dafür aus.

Im Sturm der Globalisierung

Im Zentrum der Geschichte steht die alleinstehende Arbeiterin Kwon Yun, überzeugend gespielt von Shi Ke. Ihre Erzählung einer Ufo-Sichtung entfacht erst den Tourismus- und Wirtschaftsboom in der Kommune. Fortan wird sie im Namen des Fortschritts zum Spielball der ehrgeizigen Dorfvorsteherin, Chief Chang. «Auf Kosten ihres Privatlebens wird Kwon Yun zum Katalysator eines bestimmten Systems», sagt Guo Xiaolu über die Rolle von Shi Ke.

Der Verlockung des Reichtums scheint sich niemand widersetzen zu können, am wenigsten die kommunistische Dorfvorsteherin. Spurlos geht diese Entwicklung an keinem der Einwohner vorbei. Spannungen, Ängste, Traditionen und Hoffnungen werden in diesem Mikrokosmos gegenseitig ausgespielt.

Regisseurin Guo Xiaolu, die 2009 mit She, A Chinese den Goldenen Leoparden von Locarno gewann, gibt dem rasanten Aufbruch ihres Landes ein sehr persönliches Antlitz. «Als Regisseurin, die selbst aus einem Dorf stammt, wollte ich eine Geschichte aus China erzählen, die sich im Sturm der Globalisierung abspielt», erklärt Guo Xiaolu.

Die Entfremdung als roter Faden

Die Regisseurin, die inzwischen mehrheitlich in London lebt, offenbart mit Ufo in Her Eyes auf humoristische und gleichzeitig tragische Weise Chinas Bruch zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dem Kommunismus gesellt sich der «American Way of Life» hinzu. Beide Ideologien nimmt Guo gnadenlos auf die Schippe.

«Für einen normalen Menschen, der in einem traditionellen Dorf aufgewachsen ist, präsentiert sich die Welt so gleich doppelt entfremdet», sagt sie im ausführlichen Interview von Nathalie Bao im aktuellen Trigon-Magazin.

Indem die Regisseurin das Alltagsleben gewöhnlicher chinesischer Dorfbewohner porträtiert, gelingt es ihr, dem westlichen Zuschauer Chinas radikalen Wandel der letzten Jahrzehnte unterhaltsam verständlich zu machen. Ufo in Her Eyes ist in diesem Sinne ein Muss für jeden, der ein Stück vernachlässigter Realität des chinesischen Wirtschaftswunders erfassen will. Denn China ist die Zukunft, wie nicht nur im Film immer wieder propagiert wird.

Die Spieldaten von Ufo in Her Eyes entnehmen Sie hier. Mehr Infos zu Filmen aus Asien sehen Sie hier.

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