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Chinas teuerster Werbespot

Gar nicht harmonisch: Die "Harmonie"-Hochgeschwindigkeitslinie des chinesischen Zugnetzes. Ein Screenshot aus dem Werbespot. (youtube/ fengfunvideo)

Gar nicht harmonisch: Die "Harmonie"-Hochgeschwindigkeitslinie des chinesischen Zugnetzes. Ein Screenshot aus dem Werbespot. (youtube/ fengfunvideo)

Glücklich lachende Kinder, imposante Bahnhöfe und rasende Züge, die sich durch atemberaubende Landschaften schlängeln. Dazu fröhliche Fahrgäste aus dem Ausland und Reisende in den Gewändern der Minoritäten Chinas, Tibet-Träume inklusive. 18,5 Millionen Yuan (2,3 Mio. Euro) investierte das Eisenbahnministerium, um einen solchen 5-minütigen Werbespot herzustellen, dessen Produktion letztes Jahr beendet wurde.

Ende Juni publizierte nun die Nationale Finanzkontrolle Chinas den Prüfungsbericht für das Jahr 2011 (mehr dazu hier). Der Bericht hält unter anderem fest, dass der Werbespot «nicht die erwartete Wirkung erziele» und ohne offizielle Ausschreibung produziert wurde, was nicht regelkonform erfolgte. Was jedoch zur grössten Empörung führte, ist der prominente Name des Regisseurs, der gleich zu Beginn des Spots auffällig erscheint: Zhang Yimou. Dieser ist aber der Ansicht, den Film selber nie gedreht zu haben.

So viel Geld für so wenig Film?

«Irgendein Abgänger einer Filmakademie hätte das auch drehen können», meint etwa der Kritiker und Autor Liang Daowen in einer Diskussion von Fenghuang TV und fügt an, mit einigen hunderttausend Yuan wäre derselbe Spot ebenfalls möglich gewesen. Damit fasst er die generelle Reaktion der Bevölkerung zusammen, die ob der hohen Ausgaben empört ist: Entweder ist die Qualität des Filmemachers Zhang Yimou tatsächlich so schlecht geworden, wie der Spot suggeriert, oder das Eisenbahnministeriums hat sich seines Namens bemächtigt, um das eigene Image aufzubessern.

Drehte nun Zhang den Film oder nicht? Eine Sprecherin des Regisseurs verneint. Zhang wurde 2010 für die Regie angefragt, hatte damals aber keine Zeit dafür. Schliesslich einigte man sich darauf, dass er nur eine beratende Funktion haben würde. Unter «unerklärlichen Umständen» sei jedoch trotzdem sein Name als Regisseur vermerkt worden, wie die Sprecherin bestätigt. Selbst als Zhang die Hersteller des Films kontaktierte und auf den Fehler hinwies, blieb sein Name als Regisseur des Spots bestehen.

Wohin ging das Geld?

Gemäss Zhang Yimous Sprecherin bedient sich das Eisenbahnministerium also seines Namens, um sich mit dem Ruhm eines bekannten Regisseurs zu schmücken. Der Kritiker Ma Jiahui erwähnt in der Diskussion aber auch, dass Zhang zwar den Film gedreht haben könnte, jedoch aufgrund des Ergebnisses oder anderer, unbekannter Umstände seinen Namen als Regisseur schliesslich zurückzog. Eventuell war sich auch Zhang bewusst, dass 18,5 Millionen Yuan für 5 Minuten behördliche Werbung eindeutig zu viel sind, um als Ausgaben dafür deklariert zu werden.

Trotzdem bleibt die Frage, wohin das viele Geld ging, sei es als grosszügige Belohnung für einige Vorschläge des Regisseurs oder seine tatsächliche Arbeit am Film. Der Blogger Changchun Guomao 长春国贸 schreibt nun in einem Blogeintrag, ein nicht näher genannter Insider habe ihm bestätigt, dass Zhang tatsächlich Regie führte und dafür auch Geld erhielt. Wie viel ist jedoch unklar.

Ob die Information wahr ist, bleibt abzuwarten. Trotzdem stellen sowohl astronomische Ausgaben für einen simplen Spot, die nicht näher deklariert werden, wie auch ein mögliches Namensplagiat plausible Möglichkeiten in China dar: «Zu sehr Eisenbahnministerium, zu sehr China», fasst Liang Daowen die Situation zusammen.

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