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Trinker im Anzug

In der Fontäne gelandet: Ein betrunkener Geschäftsmann in Seoul. (flickr/izahorsky)

In der Fontäne gelandet: Ein betrunkener Geschäftsmann in Seoul. (flickr/izahorsky)

Südkoreas junge Angestellte greifen gerne zur Flasche. Gemäss einer Studie der Chosun Ilbo trinkt rund ein Drittel der 30- bis 40-Jährigen Lohnempfänger während einer Woche mindestens 2 Mal 1,5 Liter Soju (in Japan als Shochu bekannt). Das koreanische Traditionsgetränk ist nichts für schwache Gemüter. Aus Süsskartoffel in Kombination mit anderen Zutaten wie Weizen oder Gerste gebraut, beträgt sein Alkoholgehalt mindestens 25 Prozent.

31’000 Angestellte von über 20 verschiedener Unternehmen wurden für diese Studie hinzugezogen. Basierend auf deren Resultat muss davon ausgegangen werden, dass in totalen Zahlen ausgedrückt rund 2,43 Millionen südkoreanische Angestellte zwischen 30 und 40 Jahren regelmässig einen über den Durst trinken. 10 Prozent davon werden gar als Koma-Trinker angesehen, die gerne mal bis zu 3 Flaschen an einem Abend trinken.

Die Folgen dessen sind hinlänglich bekannt. Neben der reduzierten Arbeitsleistung drohen den Betroffenen die typischen Alkoholkrankheiten wie Fettstoffwechselstörungen, Fettleber oder gar eine chronische Leberkrankheit.

Ein internationaler Spitzenrang

Die Trinkkultur in Südkorea beginnt bereits während der Universitätszeit. Eine Studie der Korean Alcohol Research Foundation (KARF) ergab, dass jeder dritte männliche Student ein Komasäufer ist, der mehr als 3 Mal pro Woche zur Flasche greift. «Wenn es ums Trinken geht, ist die koreanische Gesellschaft zu tolerant», meint Na Chang-Won von KARF gegenüber der Korea Times (Asienspiegel berichtete).

Auch im internationale Vergleich nimmt Südkorea gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO einen Spitzenrang ein. Mit einem jährlichen Alkoholkonsum von durchschnittlich 14,8 Liter liegt der Südkoreaner weit vor dem Japaner mit 8 Litern oder dem Chinesen mit 5,9 Liter.

Dabei mögen es die Südkoreaner stark. Bei rund 81 Prozent des jährlich konsumierten Alkohols handelt es sich um Spirituosen wie Soju. Bier nimmt einen bescheidenen Anteil von 18 Prozent ein..

Reichlich viel Billigspirituosen

Diese Sucht nach Hochprozentigem begann in den 1960er-Jahren, als eine Billigversion des Soju auf den Markt, bei dem ganz einfach Ethanol mit Wasser und Aromastoffen vermischt werden. Weil dadurch der Preis des hochprozentigen Getränkes massiv reduziert werden konnte, gewann dieser koreanische Wodka sprunghaft an Beliebtheit.

Der Staat hat das Problem erkannt. Die Regierung in Seoul bemüht sich nun darum, zumindest die Jugendlichen vom masslosen Besäufnissen abzubringen. In Zusammenarbeit den Universitäten und Elternvereinen hat sie sich zum Ziel gesetzt mit Präventivkampagnen alle Hochschulen und studentischen Wohnheime zu alkoholfreien Zonen zu machen.

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