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Der Doping-Teufel steckt im Essen

Wie im Verhör: Die olympische Neuentdeckung Ye Shiwen. (Screenshot: youtube/ Jun Robin)

Wie im Verhör: Die olympische Neuentdeckung Ye Shiwen. (Screenshot: youtube/ Jun Robin)

Sie schwimmt allen davon: 2 Mal Goldmedaille für 400 Meter und 200 Meter Lagenschwimmen, holte die 16-jährige Ye Shiwen an den olympischen Spielen in London. Bei 400 Metern Lagen legte sie auf den letzten 50 Metern eine Geschwindigkeit an den Tag, die sogar ihr männliches Äquivalent, den Sieger Ryan Lochte, übertrumpfte. «Verstörend» und «unglaublich» beschreibt John Leonard, der Vorsitzende der Weltvereinigung der Schwimmtrainer, ihren Sieg. Auf einer Pressekonferenz verglich sie jemand gar mit einem Roboter, der nur trainieren, im Wettkampf antreten und Medaillen gewinnen könne.

Während China Yes Rekorde frenetisch feiert, zweifeln viele andere ihre Siege an, selbst wenn sie im Vorfeld sämtliche Dopingtests bestanden hatte. Denn in den 1980er- und 90er-Jahren wurden bereits häufig chinesische Sportlerinnen und Sportler positiv getestet, insbesondere solche des Schwimm-Teams (mehr hier). Damals wurden die Athleten oft unwissentlich von ihren Ärzten aufgeputscht, doch heutzutage kann Doping in China auch ohne das Wissen des Umfelds passieren.

Doping-Gefahr vom eigenen Essen

Denn die Sportler können auch aus ganz anderen Gründen positiv getestet werden: Das Land machte in den letzten Jahren häufig mit Lebensmittelskandalen von sich reden. Zu den zahlreichen Lebensmittelvorfällen in den letzten Jahren gehört auch mit Clenbuterol verseuchtes Schweinefleisch.

Auf Chinesisch als «Magerfleisch-Pulver» bekannt (chin. shouroujing 瘦肉精), fördert Clenbuterol die Muskelbildung und reduziert den Fettgehalt im Fleisch, kann aber bei Menschen zu Schwindelgefühlen, Schweissausbrüchen und Herzrasen führen. Sportler hingegen greifen zum Mittel, um ihre Leistung zu fördern. Tong Wen, die 2008 im Frauenjudo Olympia-Gold gewann, wurde beispielsweise positiv auf Clenbuterol getestet und 2010 für zwei Jahre gesperrt.

Selbst wenn die WADA, die World Anti-Doping Agency, Clenbuterol verbot, wurden nicht nur chinesische Sportler immer wieder positiv auf die Substanz getestet. Die Gefahr, dass das olympische Team Chinas unabsichtlich verseuchtes Essen zu sich nimmt, ist demnach hoch. Es verzichtet deshalb seit mehreren Monaten auf den Verzehr von Fleisch und greift zu Alternativen. Zu gross ist das Risiko, durch verseuchtes Essen auch verbotene Substanzen aufzunehmen (mehr hier).

Gefahr von unterdurchschnittlichen Leistungen

Trotzdem hegen viele Befürchtungen, aufgrund dieser Einschränkung nur unterdurchschnittliche Leistungen erbringen zu können, selbst wenn China im Medaillenspiegel bislang an der Spitze aller Länder steht. Solche verminderten Leistungen treffen offenbar auf Ye Shiwen nicht zu, was die Zweifel über ihre Weltrekord-Siege erhöht. Sie selber weist jegliche Anschuldigungen und Zweifel zurück.

Ob sie tatsächlich wissentlich oder unwissentlich gedopt hat, oder «China eben auch Naturtalente hervorbringen kann», wie ein Internetuser sich ausdrückt, werden wohl entsprechende Tests erst zeigen.

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