News aus Japan, Taiwan und China

Hinrichtungen wie vor 130 Jahren

Ein Exekutionsraum in Japan. (Screenshot: TBS News)

Ein Exekutionsraum in Japan. (Screenshot: TBS News)

Letztes Jahr gab es in Japan keine einzige Hinrichtung. Das hatte es zuvor 19 Jahre lange nicht mehr gegeben (Asienspiegel berichtete). Doch mit den ständig wechselnden Justizminister ändert sich auch die Praxis.

Der aktuelle, Makoto Taki, hält nichts von einem Moratorium. Anfang August liess er 2 zum Tode verurteilten Männer hängen. Gemäss der Sankei Shimbun warten 130 weitere im Todestrakt auf die Vollstreckung. Eine Abschaffung der Todesstrafe in Japan ist nicht in Sicht.

Mehr als über das Für und Wider fokussiert sich die Diskussion in Japan auf das Wie. Gemäss der Asahi Shimbun erörtert Justizminister Taki derzeit eine Änderung der Hinrichtungsmethode. Die in vielen US-Bundesstaaten angewendete Giftspritze zählt dabei zu einer möglichen Option.

Seit 130 Jahren unverändert

Japan kennt seit 1873 nur eine Form der Hinrichtung: es ist der Tod durch Erhängen. Diese archaische Vollstreckungsform kam in der Nachkriegsgeschichte wiederholt unter Beschuss. Das Verfassungsgericht beurteilte 1955 den Tod durch den Strang als verfassungskonform. Das Erhängen sei selbst aus einer humanitären Sicht «nicht grausam», liessen die Richter damals wissen.

Das Bezirksgericht von Osaka stützte sich vor kurzem auf die Argumentation des Verfassungsgericht mit der Anmerkung, dass diese Hinrichtungsform einen gewissen Grad an Grausamkeit beinhalte. Man könne sich durchaus die Frage stellen, ob es nicht eine bessere Methode gebe.

Die Diskussion kam mit der Einführung des Geschworenengerichts 2009 auf, bei dem Laien auch über die Verhängung der Todesstrafe urteilen müssen. Dies führe dazu, dass in einem Gerichtsfall in Osaka die Brutalität des Erhängens thematisiert wurde. Mit der Erörterung neuer Methoden soll diesem Aspekt offenbar Rechnung getragen werden.

Mehrheit für die Todesstrafe

An der Todesstrafe selbst wird derweil nicht gerüttelt. Makoto Takis Vorgänger, Toshio Ogawa, gab bereits im März das Ok für 3 Hinrichtungen. Ausserdem suspendierte er die von Vorgängerin Keiko Chiba ins Leben gerufene Kommission, die sich mit dem Für und Wider der Todesstrafe befasste (Asienspiegel berichtete).

Man habe genug darüber diskutiert. Am Ende sei es eine Entscheidung des Volkes und dieses befürworte mit grosser Mehrheit diese Form der Strafe (Asienspiegel berichtete), argumentierte Ogawa. Der jetzige Justizminister Makoto Taki vertritt dieselbe Haltung. Einzig über die Form der Hinrichtung lässt er offenbar mit sich diskutieren.

Kommentar schreiben