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Inselstreit im olympischen London

Eine unmissverständliche Mitteilung: Park Jong-woo nach dem Spiel gegen Japan (Screenshot: ANN News/ Newsnaver)

Eine unmissverständliche Mitteilung: Park Jong-woo nach dem Spiel gegen Japan (Screenshot: ANN News/ Newsnaver)

Wenn Südkorea und Japan im Fussball gegeneinander antreten, dann schwelen immer auch historische Ressentiments mit (Asienspiegel berichtete ). Selbst wenn es sich um eine U-23-Mannschaft handelt. So auch am Freitag, als die jungen Südkoreaner mit einem sauberen 2:0-Sieg über die Japaner die Bronze-Medaille errangen.

Den Triumph gegen Japan auskostend, hob Mittelfeldspieler Park Jong-woo nach dem Spiel eine von Hand geschriebene Tafel hoch. «Dokdo ist unser Territorium», stand darauf, wie ANN News berichtet. Und weil Park damit eine politische Aussage an Olympischen Spielen machte, schloss ihn das IOC von der Medaillenzeremonie am Samstag aus. Auch der Weltfussballverband FIFA erwägt eine disziplinarische Strafe.

Der ungelöste Streitfall

Dokdo, auf Englisch Liancourt-Felsen und auf Japanisch Takeshima, liegt zwischen Südkorea und Japan. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges erheben beide Nationen Anspruch auf die zwei Felsen im Japanischen Meer. Jedes Land hat seine eigene Interpretation für deren Zugehörigkeit. 1954 kam es gar zu einem militärischen Scharmützel.

Inzwischen hat sich auf der östlichen Insel ein südkoreanisches Fischerpärchen niedergelassen. Auch einen Hubschrauberlandeplatz und einen Leuchtturm hat Seoul darauf bauen lassen. Eine Polizeitruppe und Touristen aus Südkorea bevölkern die Felsen regelmässig. Japan betrachtet dies als Territorialverletzung, unternimmt jedoch nichts dagegen.

Unter den Felsen werden Gasvorkommen vermutet. Zudem ist die Region reich an Fischgründen. Doch wirklich überlebenswichtig ist das Eiland für keine der beiden Nationen. Hinter dem Territorialstreit versteckt sich viel mehr Symbolik und historische Ressentiments.

Lee Myung-baks Besuch

Dies führt dazu, dass die Liancourt-Felsen selbst bei sportlichen Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen zum Thema werden. Der Provokation von Mittelfeldspieler Park Jong-woo ging ein aktuelles Ereignis voraus.

Präsident Lee Myung-bak hatte am selben Tag als erster südkoreanischer Staatschef des Landes die Liancourt-Felsen betreten. 90 Minuten verbrachte er auf dem Felsen. Japans Premierminister Yoshihiko Noda bezeichnete das Vorgehen gemäss Nikkan Sports als «völlig inakzeptabel und extrem bedauernswert».

Bewusster Zeitpunkt

Am 15. August 2012 wird Seoul das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 67 Jahren und der kolonialen Unterdrückung durch Japan feiern. Lee Myung-bak nutzte den Besuch, um innenpolitisch zu punkten und auf die ungelösten Probleme bei der Bewältigung der Vergangenheit zwischen den beiden Ländern hinzuweisen, insbesondere beim Thema der zur Prostitution gezwungenen koreanischen Trostfrauen im Zweiten Weltkrieg.

Präsident Lee hat den Zeitpunkt bewusst gewählt. Seine Amtszeit geht nächsten Februar zu Ende. Der Einfluss auf die diplomatischen Beziehungen mit Japan hält sich damit in Grenzen. Am Ende werden sich die Gemüter auf beiden Seiten wieder legen. Die nächste Provokation auf dem Fussballfeld oder der politischen Bühne folgt bestimmt.

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