News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

90 Tage Zeit, um eine Arbeit zu finden

Kaum Aussichten auf einen Job: Ein Obdachloser in Japan.

Kaum Aussichten auf einen Job: Ein Obdachloser in Japan. (flickr/theeruditefrog)

«Ich versuche alles um einen Job zu finden, aber ich weiss nicht wie es möglich ist etwas innert 90 Tagen zu bekommen», berichtet ein verzweifelter 29-jähriger Mann, der Ende letzten Jahres seine Arbeit verloren hat. Genau 90 Tage erhielt er staatliches Arbeitslosengeld. Nun lebt er von der Sozialhilfe.

Laut Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt stapeln sich die Anträge für Arbeitslosenunterstützung seit dem die Krise Ende letzten Jahres mit voller Härte eingeschlagen hat. 370’821 waren es im April. Viele der Arbeitslosen sind ehemalige Teilzeitarbeiter, sogenannte furita, die selten lange für die gleiche Firma arbeiten und  dadurch im Vergleich zu Vollzeitangestellten nur ein vermindertes Anrecht auf Sozialleistungen des Staates haben.

Der Anspruch auf staatliches Arbeitslosengeld hängt vom Alter ab und davon, wie lange man Geld die Arbeitslosenversicherung bezahlt hat.  Für ehemalige Teilzeitangestellte bedeutet das meistens 90 bis 150 Tage staatliche Unterstützung. Eine vergleichsweise kurze Zeit. Nach dieser Periode bleibt nur noch die Sozialhilfe.

Kaum Geld fürs Vorstellungsgespräch

Da die viele der Betroffenen ihren Job auf Ende des Geschäftsjahres, den 30. April, verloren haben, beginnt im immer noch rauen Wirtschaftsklima Japans eine Zeit der Ungewissheit. Eine arbeitslose, 38-jährige Frau aus Tokio erzählt gegenüber der Yomiuri Shimbun, dass sie nur noch bis August auf staatliche Unterstützung zählen könne. Sie habe bis im April als Teilzeitkraft in einem Hotel gearbeitet. Doch sie und zwölf weitere Angestellte seien entlassen worden.

Seither habe sie sich bei über zehn Firmen vergeblich beworben. Ihr monatliches Einkommen betrage mit Kinderzulagen, sie hat einen fünfjährigen Sohn,  150’000 Yen (1100 Euro). Das Arbeitslosengeld mache 110’000 Yen (800 Euro) aus. Wie es ab September weitergeht, will sie sich gar nicht ausdenken. Die Arbeitsvermittlung «Hello Work» berichtet mittlerweile von Betroffenen, die sich selbst die Fahrt zum Vorstellungsgespräch kaum noch leisten können.

Steigende Arbeitslosenzahlen

Solche Fälle häufen sich seit dem die Arbeitslosigkeit auf 5,4 Prozent angestiegen ist. 3,48 Millionen Leute sind Arbeitslos in Japan, auf 43 Stellenangebote kommen 100 Jobsuchende. Analysten rechnen gar mit einem Anstieg auf 6 Prozent bis Anfang nächsten Jahres.

Mit der Revidierung des Gesetzes zur Arbeitslosenversicherung ist die Bezugsperiode für Arbeitslosengeld in wirtschaftlich schwachen Regionen um sechzig Tage angehoben worden, aber für Leute die selbst aus diesem System fallen, sindbisher kaum Massnahmen ergriffen worden. «Gerade in Zeiten der Rezession dauert die Arbeitslosenunterstützung nicht lange genug», klagt Ichiro Natsume, ein auf das Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt.

Das Ministerium für Arbeit hat seit kurzem begonnen Betroffenen, die keinen Anspruch mehr auf staatliche Arbeitslosenunterstützung haben, mit einem monatlichen Minimum von 100’000 bis 120’000 Yen zu unterstützen, sofern diese sich für einen Ausbildungskurs einschreiben. Ichiro Natsume fordert nun, dass die Arbeitslosen aktiv über das neue System informiert werden.

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