flickr/​Todd Meck­lemDer selbst­er­nann­te Palast der Schleu­der­prei­se: Bei Don Qui­jo­te gibts Jeans für 690 Yen.

Miyu­ki Hatoy­a­ma, die 66-jäh­ri­ge Ehe­frau des japa­ni­schen Pre­mier­mi­nis­ters, hat den «Best Jea­nist Award» gewon­nen. Der Preis wird all­jähr­lich von der Japan Jeans Asso­cia­ti­on an Berühmt­hei­ten ver­lie­hen, die sich durch das Tra­gen des Denim­stof­fes her­vor­ge­tan haben. Miyu­ki Hatoy­a­ma tra­ge die Jeans «in einem klas­si­schen aber gleich­zei­tig revo­lu­tio­nä­ren Stil, mit dem sie einen posi­ti­ven Geist ver­mit­telt», so die Fachjury.

Der «Best Jea­nist Award» mar­kiert jeweils den Beginn der Tokyo Fashion Week, die bis zum 25. Okto­ber dau­ert. Für die japa­ni­sche Jeans-Indus­trie gibt es ansons­ten nicht viel zu Fei­ern, denn die­ses Geschäfts­jahr mar­kiert wohl das schlech­tes­te ihrer Geschichte.

Seit die Laden­ket­te G.U. im März die­ses Jah­res eine Bil­lig­jeans für 990 Yen (7,30 Euro) auf den Markt gebracht hat, tobt ein erbar­mungs­lo­ser Preis­krieg (Asi­en­spie­gel berich­te­te). G.U. ist ein Toch­ter­un­ter­neh­men des Mode­un­ter­neh­mens Fast Retailing, wel­che das Bil­lig­mo­de­haus Uni­q­lo kon­trol­liert. Die Super­markt­ket­te Aeon zog in der Fol­ge eben­falls mit einer Eigen­mar­ke nach. Seit Mit­te Okto­ber ver­kauft nun der Dis­coun­ter Don Qui­jo­te für 690 Yen (5,10 Euro) die bil­ligs­te Jeans in Japan.

Die Klas­si­ker in der Krise

Die klas­si­schen Jeans-Mar­ken blei­ben dabei auf der Stre­cke. Levi Strauss Japans Umsatz ist im drit­ten Quar­tal im Ver­gleich zum Vor­jahr um 19,7 Pro­zent auf 13,2 Mil­li­ar­den Yen (97,3 Mio. Euro) regel­recht abge­stürzt. Das japa­ni­sche Unter­neh­men Jeans Mate hat den erwar­te­ten Betriebs­ge­winn bis Febru­ar 2010 von 20 Mil­lio­nen Yen (147’000 Euro) auf einen Betriebs­ver­lust von 90 Mil­lio­nen Yen (663’000 Euro) hin­un­ter­kor­ri­gie­ren müs­sen. «Die Bil­lig­wa­ren haben uns die Kun­den weg­ge­fres­sen», sagt ein ent­täusch­ter Prä­si­dent Mikio Fukui.

Ande­re tra­di­tio­nel­le Unter­neh­men wer­den durch die Ver­kaufs­flau­te gezwun­gen ihr Geschäft zu ver­klei­nern. So hat der Jeans­her­stel­ler Bob­son aus Oka­y­a­ma sei­ne gleich­na­mi­ge Mar­ke an eine Auf­fang­ge­sell­schaft über­tra­gen und beschränkt sich fort­an auf die Pro­duk­ti­on von Kin­der­klei­dern. Die Kri­se wirkt sich auch auf die Stoff­lie­fe­ran­ten aus. So hat Her­stel­ler Kur­abo Ende Juni die­ses Jah­res eine Fabrik in Oka­y­a­ma schlies­sen müs­sen, die sich auf die Pro­duk­ti­on des Denim-Jeans­stof­fes spe­zia­li­siert hatte.

Ver­schie­bung der Pro­duk­ti­on nach China

Mög­lich wer­den die­se Preis­ab­schlä­ge der Bil­lig­an­bie­ter durch die Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung nach Chi­na, wo die Arbeits­kos­ten so tief sind, dass die japa­ni­schen Her­stel­ler in die­sem Preis­kampf auf der Stre­cke blei­ben. Jeans Mate zieht nun eben­falls in Erwä­gung, eine bil­li­ge Eigen­mar­ke in Chi­na fer­ti­gen zu lassen.

Mikio Fukui von Jeans Mate meint auch, dass sich der Abwärts­trend der Bran­che durch ein all­ge­mein nach­las­sen­des Inter­es­se der jün­ge­ren Kund­schaft an Jeans­ho­sen zusätz­lich beschleu­ni­ge. Eine Medi­zin zur Erho­lung der Ver­kaufs­zah­len sei momen­tan beim bes­ten Wil­len nicht zu finden.