flickr/JaakoEin Blumenfeld in Hokkaido.

Junge Japaner wenden sich vermehrt den Bauernhöfen im japanischen Hinterland zu, welches langsam vergreist und ausstirbt (Asienspiegel berichtete). Einerseits führt das stärkere Bewusstsein für biologischen Landbau vermehrt jüngere Menschen auf die Felder, andererseits stellen die vielen verwaisten Bauernhöfe bei Japans tiefem Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln auch eine Geschäftslücke dar.

Die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung wird immer älter und in vielen Bauernfamilien gibt es wegen der tiefen Geburtenrate und der Abwanderung in die Städte keinen Nachfolger, der den Hof übernehmen könnte. Mehr als 70 Prozent der Bauern in Japan sind bereits 60 oder mehr Jahre alt und fast die Hälfte ist bereits über 70. Gerade mal 8,5 Prozent sind unter 40 Jahre alt. In ganz Japan sind bereits 3800 Quadratkilometer fruchtbares Land aufgegeben worden, weil die Besitzer zu alt waren, um die Felder zu bestellen.

Sinkender Selbstversorgungsgrad

Noch in den späten sechziger Jahren lag Japans Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln bei über 7o Prozent, doch heute ist er auf unter 40 Prozent gefallen und Japan importiert fast den gesamten Bedarf an Weizen, Mais und Sojabohnen aus dem Ausland. Die inländische Fleischproduktion fiel von 96 Prozent im Jahr 1960 auf etwa die Hälfte im Jahr 2007.

Dank hohen Importbarrieren kann Japan den Bedarf an Reis selbst decken, allerdings mit dem Nebeneffekt, dass der Reissektor äusserst ineffizient produziert. Die Landwirtschaftspolitik der japanischen Regierung zielte jahrelang darauf ab, die Reisanbauflächen zu verringern und so die Preise hochzuhalten und den Reisbauern ein Auskommen zu ermöglichen. Die neue Regierung unter Yukio Hatoyama will diese Politik beenden und stattdessen die Reisbauern mit Direktzahlungen unterstützen.

Japans Jugend wendet sich der Landwirtschaft zu

Diese strukturellen Probleme motivieren jüngere Menschen dazu, in die Landwirtschaft zu gehen und sich zu organisieren. «Egal wie gross Japans Wirtschaft ist, egal wieviel Geld Japan anhäuft, dieses Land wird schon bald nicht mehr in der Lage sein, so viele Nahrungsmittel aus dem Ausland zu kaufen», sagte Yusuke Miyaji.

Der 31-Jährige will deshalb Jobs in der Landwirtschaft wieder «cool» und profitabel machen. Zusammen mit 200 anderen Jungbauern und Sympathisanten hat er deshalb ein Netzwerk gegründet, um Tipps für den biologischen Anbau auszutauschen und Landwirtschaftsprodukte direkt zu vermarkten.

Die 31-jährige Kaori Nukui liess sich dadurch ermutigen, in die Landwirtschaft zu gehen und auf dem Hof ihrer Eltern Grüntee und Shiitake-Pilze anzubauen. «Früher hatte ich kein Interesse daran, dieses Geschäft zu übernehmen», sagte Nukui, die in Tokio 7 Jahre lang für Consulting- und PR-Firmen arbeitete. Doch als es darum ging, selbst ein Geschäft zu gründen, wurde ihr bewusst, dass ihre Eltern bereits eine solide Grundlage geschaffen hatten.

Selbst die 24-Jährige Shiho Fujita, bekannt als Sängerin, Model und Entrepreneurin im Look des «Shibuya-Gals», ist auf den Trend aufgesprungen und hat diesen Sommer in der Präfektur Akita damit begonnen, Reis anzubauen, der unter einem eigenen Label verkauft wird.