Japans Zukunft liegt in Asien

flickr/​nod youngI love Bei­jing: Japan setzt auf Ostasien.

Pre­mier­mi­nis­ter Yukio Hatoy­a­mas ers­ter Monat im Amt ist von aus­sen­po­li­ti­schem Erfolg geprägt. Den inten­si­ven Gesprä­chen an der UNO-Voll­ver­samm­lung ist ein Antritts­be­such in Seo­ul von letz­ter Woche und nun ein Gip­fel­tref­fen zwi­schen Chi­na, Süd­ko­rea und Japan in Peking gefolgt.

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In die­sen ers­ten kon­kre­ten Gesprä­chen wur­de die Mög­lich­keit der Grün­dung einer Ost­asia­ti­schen Gemein­schaft nach dem Vor­bild der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­lo­tet. Alle drei Par­tei­en beton­ten, dass sie ent­schlos­sen sei­en die­ses Pro­jekt vor­an­zu­trei­ben. Es über­rascht selbst die gröss­ten Opti­mis­ten in wel­chem Tem­po Hatoy­a­mas aus­sen­po­li­ti­sche Neu­aus­rich­tung Früch­te trägt.

Die Visi­on einer regio­na­len Gemein­schaft kam im Wahl­kampf Yukio Hatoy­a­mas erst­mals zur Spra­che. Für den Pre­mier soll Asi­en in Zukunft Vor­rang erhal­ten. «Die japa­nisch-ame­ri­ka­ni­sche Alli­anz bleibt ein wich­ti­ger Bestand­teil, aber als ein Mit­glied Asi­ens, möch­te ich ver­mehrt poli­ti­schen Mass­nah­men, die auf Asi­en aus­ge­rich­tet sind, ent­wi­ckeln», beton­te Yukio Hatoy­a­ma an einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit Chi­nas Pre­mier­mi­nis­ter Wen Jia­bao und dem süd­ko­rea­ni­schen Prä­si­den­ten Lee Myung-bak.

Frei­han­dels­ab­kom­men als ers­ter Schritt

Noch ist die Rea­li­sie­rung die­ser poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Gemein­schaft Zukunfts­mu­sik. Wie eine ost­asia­ti­sche Gemein­schaft tat­säch­lich aus­se­hen wür­de, ist selbst den Akteu­ren noch nicht ganz klar.

Ein ers­ter wich­ti­ger Schritt wäre die Rea­li­sie­rung eines Frei­han­dels­ab­kom­mens zwi­schen den drei Staa­ten, um die wirt­schaft­li­che Inte­gra­ti­on noch wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Chi­na, Japan und Süd­ko­rea sind die wirt­schaft­li­chen Schwer­ge­wich­te Asi­ens. Zusam­men machen sie rund 16 Pro­zent des glo­ba­len Brut­to­in­land­pro­dukts aus.

Gyo­za und Gasfelder

Gera­de bei den Gesprä­chen um die ver­meint­lich klei­ne­ren zwi­schen­staat­li­chen Ange­le­gen­hei­ten, wur­de aber deut­lich, dass es noch ein län­ge­rer Weg bis zur Ver­wirk­li­chung der Ost­asia­ti­schen Gemein­schaft wer­den könnte.

So bemüh­te sich Yukio Hatoy­a­ma um eine auf­rich­ti­ge Klä­rung des letzt­jäh­ri­gen Gyo­za-Skan­dals, als zahl­rei­che Japa­ner ins Spi­tal ein­ge­lie­fert wer­den muss­ten, nach­dem sie impor­tier­te Tief­kühl-Teig­ta­schen aus Chi­na ver­zehrt hat­ten, in denen man Spu­ren eines Insek­ten­ver­nich­tungs­mit­tels nach­wei­sen konn­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Unter­su­chun­gen lau­fen. Für Hatoy­a­ma bestehe eine «hohe Wahr­schein­lich­keit», dass das Gift tat­säch­lich in Chi­na in die Teig­ta­schen gelangt ist. Wen Jia­bao bleibt in die­ser Bezie­hung noch vor­sich­tig: «Noch gibt es dafür kei­nen unwi­der­ruf­li­chen Beweis. Wir möch­ten aber die gemein­sa­me Unter­su­chung verstärken.»

Auch die Ver­hand­lung über die gemein­sa­me Gewin­nung der Roh­stof­fe im Ost­chi­ne­si­schen Meer schei­nen etwas ins Sto­cken zu gera­ten. Wäh­rend Hatoy­a­ma auf eine mög­lichst rasche Erschlies­sung der Gas­vor­kom­men pocht, scheint die chi­ne­si­sche Sei­te noch abwar­ten zu wollen.

Opti­mis­mus trotz Uneinigkeit

Selbst bei der Ver­wirk­li­chung eines Frei­han­dels­ab­kom­mens gibt es noch grös­se­re Hür­den zu über­win­den. So betont Kazuo Koda­ma, der Pres­se­chef von Aus­sen­mi­nis­ter Oka­da, dass zual­ler­erst ein «wirt­schafts­freund­li­che­res Kli­ma» zwi­schen den drei Län­dern geschaf­fen wer­den müs­se. Gera­de bei den aus­län­di­schen Inves­ti­tio­nen, herr­sche noch gros­se Unei­nig­keit, wie viel man dem ande­ren gewäh­ren wolle.

Es steht noch viel Arbeit zwi­schen den ost­asia­ti­schen Wirt­schafts­mäch­ten an. Doch das Gip­fel­tref­fen von Peking ver­spricht eine inten­si­ve­re, lösungs­ori­en­tier­te Gesprächs­kul­tur und einen Schluss­strich unter die küh­len Bezie­hun­gen zwi­schen Chi­na und Japan zu zie­hen. Chi­nas Pre­mier Wen Jia­bao hat es fol­gen­der­mas­sen aus­ge­drückt: «Wir haben uns geei­nigt, dass wir eine gemein­sa­me Inter­es­sens­ba­sis erar­bei­ten und die Dif­fe­ren­zen zurückstellen».

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