flickr/​Todd Meck­lemWo das Cha­os Prin­zip hat: Don Qui­jo­te im Tokio­ter Roppongi-Viertel.

Kein Ein­kaufs­la­den ist chao­ti­scher und lau­ter. Er nennt sich «der Palast der Schleu­der­prei­se» und trägt den bezeich­nen­den Namen «Don Qui­jo­te». Die Japa­ner nen­nen ihn kurz «Don­ki». Seit 19 auf­ein­an­der­fol­gen­den Jah­ren ver­zeich­net das Unter­neh­men mit über 200 Able­gern in Japan und 4 auf Hawaii stei­gen­de Umsatz­zah­len. Wäh­rend die tra­di­tio­nel­len Kauf­häu­ser in der gröss­ten Kri­se der Nach­kriegs­ge­schich­te ste­cken (Asi­en­spie­gel berich­te­te), pro­fi­tiert «Don Qui­jo­te» mit einem Jah­res­um­satz von rund 3 Mil­li­ar­den Euro wie fast kein ande­rer Ein­zel­händ­ler in Japan von der Wirtschaftskrise.

Just zum Zeit­punkt als Ende der 1980er Jah­re die Wirt­schafts­bla­se platz­te und Japan ins «ver­lo­re­ne Jahr­zehnt» schlit­ter­te, begann es mit dem Geschäfts­kon­zept von «Don Quijote»-Gründer Takao Yas­u­da auf­wärts zu gehen. Der heu­te 60-Jäh­ri­ge begann 1980 mit einem klei­nen Laden in einem Vor­ort Tokios. Yas­u­da woll­te alle Regeln bre­chen und den Ein­zel­han­del auf den Kopf stel­len. Mög­lichst 24 Stun­den soll­te sei­ne Laden­ket­te geöff­net sein, alle mög­li­chen Güter unter einem Dach ver­ei­nen und vor allem bil­lig muss­te die Ware sein.

Etwas selbst­iro­nisch benann­te er sei­nen Laden nach dem nim­mer­mü­den und ver­rück­ten Roman­hel­den, der ver­zwei­felt gegen Wind­müh­len ankämpft. Noch heu­te strei­tet sich Yas­u­da regel­mäs­sig mit den Behör­den um irgend­wel­che Zulas­sun­gen. 1989 ging schliess­lich der ers­te Don­ki-Laden nach heu­ti­gem Kon­zept auf. Was frü­her als bil­li­ger Ramsch­la­den galt, zieht heu­te selbst ame­ri­ka­ni­sche Berühmt­hei­ten an. Letz­ten Monat soll Sän­ge­rin Beyon­cé auf ihrer Japan-Tour bei «Don­ki» nach einem pas­sen­den Hal­lo­ween-Kos­tüm Aus­schau gehal­ten haben.

Ein Irr­gar­ten der Güter

Die Unüber­sicht­lich­keit, ein Alb­traum für alle tra­di­tio­nel­len Kauf­häu­ser, hat bei Don Qui­jo­te Prin­zip. Jeder Able­ger ist voll­ge­stopft mit aller­lei Gütern. Vom Sex­spiel­zeug bis zur Lou­is Vuit­ton-Hand­ta­sche fin­det man alles bei «Don­ki». Die Läden haben die Struk­tur eines Irr­gar­tens, so dass der Kun­de auf eine Ent­de­ckungs­rei­se gezwun­gen wird und dabei auf Din­ge stösst, die er gar nie haben woll­te und den­noch kauft. «Der tra­di­tio­nel­le japa­ni­sche Ein­zel­han­del baut auf das Prin­zip des Zeit­spa­rens. Bei uns soll der Kun­de aber mehr Zeit ver­brin­gen», erklär­te Takao Yas­u­da sein Kon­zept in einem Inter­view mit der Japan Times.

Mitt­ler­wei­le hat Don Qui­jo­te eine eige­ne Mar­ke ent­wi­ckelt, die sich «Zea­lous Pri­ce» nennt und rund 148 Güter anbie­tet. Auch hier gilt: Die Ware muss bil­li­ger als bei der Kon­kur­renz sein. Trotz oder viel­leicht gera­de wegen der anhal­ten­den Wirt­schafts­flau­te in Japan geht «Don Qui­jo­te» auf Expan­si­ons­kurs. Nach Hawaii soll das ame­ri­ka­ni­sche Fest­land erobert werden.