Sor­gen in Toyo­ta City

Sor­gen in Japans Moto­ren­stadt: Ein Aus­blick auf Toyo­ta City. wikimedia/​Tony Cassidy

Toyo­tas Rück­ruf­ak­ti­on von Mil­lio­nen von Autos führt in Toyo­ta City, dem Hei­mat­ort des japa­ni­schen Auto­her­stel­lers, zu viel Besorg­nis: «Toyo­ta war bekannt für die Qua­li­tät sei­ner Autos. Nun hat sich das um 180 Grad gedreht», beklagt sich ein Ein­woh­ner der Stadt: «Ich mache mir Sor­gen um die Aus­wir­kun­gen. Die gan­ze Regi­on hängt von Toyo­ta ab.» Tat­säch­lich kommt der Rück­ruf zum ungüns­tigs­ten Zeit­punkt. Gera­de als der Auto­her­stel­ler erst­mals wie­der einen Gewinn aus­wei­sen konn­te, bahnt sich für die Stadt die nächs­te Kri­se wie­der an.

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Toyo­ta City zählt 420’000 Ein­woh­ner und ist ein Syn­onym für Japans Macht im Auto­mo­bil­be­reich. So ver­wun­dert es auch nicht, dass die Schwes­ter­stadt von Detroit ist – die einst blü­hen­de Moto­ren­stadt Ame­ri­kas. 1959 liess sich die Stadt von Koro­mo auf Toyo­ta umtau­fen, um ihrem wich­tigs­ten Unter­neh­men die Ehre zu erweisen.

Damit hat sich die Toyo­ta City aber auch in eine schick­sal­haf­te Abhän­gig­keit mit dem Auto­gi­gan­ten bege­ben, die sie heu­te erst­mals schmerz­haft zu spü­ren bekommt. Lei­det das Unter­neh­men, so lei­det die gan­ze loka­le Wirt­schaft vom Restau­rant bis zu den Ein­kaufs­lä­den mit. 77’000 Ein­woh­ner der Stadt arbei­ten direkt oder indi­rekt für Toyo­ta. Die gan­ze Regi­on zählt unzäh­li­ge unab­hän­gi­ge Lieferanten.

Aus­wir­kun­gen sind unübersehbar

«Fällt Toyo­ta in eine Kri­se, so hat das einen gros­sen Ein­fluss hier», sagt Masa­hi­ko Hos­o­ka­wa, ein Wirt­schafts­pro­fes­sor an der Chubu-Uni­ver­si­tät im nahe gele­ge­nen Nago­ya, gegen­über dem Time-Maga­zin. Die Ein­woh­ner hier spre­chen vom «Toyo­ta Schock», der nach Aus­bruch der Finanz­kri­se, einschlug.

Die Aus­wir­kun­gen auf die Stadt sind unüber­seh­bar. An vie­len Orten sieht man Kon­kurs gegan­ge­ne Läden und Restau­rants und leer­ste­hen­de Woh­nun­gen. Die loka­le Wirt­schaft von Toyo­ta-City ist in den letz­ten 18 Mona­ten um 20 Pro­zent geschrumpft.

Der japa­ni­sche Mythos bröckelt

Die Kri­se Toyo­tas steht sinn­bild­lich für das schwin­den­de Selbst­ver­trau­en der Japa­ner in die Wirt­schafts­kraft ihres Lan­des. «Der Mythos der japa­ni­schen Qua­li­tät ist am brö­ckeln. Das hat einen nega­ti­ven Ein­fluss auf die gesam­te Wirt­schaft», sagt ein loka­ler Immo­bi­li­en-Unter­neh­mer von Toyo­ta City.

Yas­ute­ru Kamiya, ein Café-Besit­zer im Zen­trum von Toyo­ta City, sieht die jet­zi­ge Kri­se als ein wei­te­res Kapi­tal im schon lan­ge anhal­ten­den Nie­der­gang der Stadt. Seit den Boom­jah­ren der 1980er Jah­re habe die Stadt nie wie­der ihren Glanz zurück­ge­win­nen kön­nen. Kamiyas Ein­nah­men sind seit Beginn der Kri­se um 50 Pro­zent ein­ge­bro­chen. Alles hängt in die­ser Stadt vom Schick­sal des welt­weit gröss­ten Auto­her­stel­lers ab.

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