Japans neu­er Premierminister

Der neue Mann an der Spit­ze: Nao­to Kan.

Nao­to Kan heisst der neue Pre­mier­mi­nis­ter Japans. Das Par­la­ment hat den 63-jäh­ri­gen neu­en Vor­sit­zen­den der Demo­kra­ti­schen Par­tei mit 291 von 423 Stim­men zum Nach­fol­ger Yukio Hatoy­a­mas gewählt. Sei­ne ers­te Auf­ga­be wird es nun sein, das Kabi­nett zusam­men­zu­stel­len. All­zu gros­se Ver­än­de­run­gen zur bis­he­ri­gen Zusam­men­set­zung wird es kaum geben.

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Es wird jedoch ange­nom­men, dass Kan ver­stärkt eine Grup­pe von Geg­nern des zurück­ge­tre­te­nen DPJ-Gene­ral­se­kre­tärs und Strip­pen­zie­hers Ichi­ro Oza­wa um sich scha­ren wird. Bereits vor sei­ner Wahl hat er sich in einer Pres­se­kon­fe­renz um Distanz zu Oza­wa bemüht: «Es ist bes­ser, wenn Oza­wa für den Moment still hält.» Wie stark der neue Pre­mier Oza­was Ein­fluss unter­bin­den kann, wird von zen­tra­ler Bedeu­tung sein. Der Strip­pen­zie­her ver­fügt im Par­la­ment immer noch über eine gros­se inner­par­tei­li­che Anhän­ger­schaft von rund 150 Abgeordneten.

Die Fort­set­zung des Wandels

Als stell­ver­tre­ten­der Pre­mier­mi­nis­ter im Hatoy­a­ma-Kabi­nett war Kan für vie­le der logi­sche Nach­fol­ger. Kan hat zudem ver­spro­chen die Poli­tik des Wan­dels sei­nes Vor­gän­gers fort­füh­ren zu wollen.

Nao­to Kan ist erst der zwei­te Pre­mier­mi­nis­ter seit 1954, der sei­ne poli­ti­sche Kar­rie­re nicht in der alten Mono­pol­par­tei LDP begon­nen hat. Als Mit­glied der Neu­en Par­tei Saki­ga­ke wur­de er durch eine Koali­ti­on mit der LDP 1996 zum Gesund­heits­mi­nis­ter ernannt.

Der Ruf des Aufräumers

In sei­ner kur­zen Amts­zeit als Gesund­heits­mi­nis­ter schuf sich Kan den Ruf des auf­rich­ti­gen Poli­ti­kers, der sich über die Büro­kra­tie zu stel­len weiss. So sorg­te Kan 1996 für die Auf­de­ckung eines Skan­dals um HIV-infi­zier­te Blut­kon­ser­ven, in die das Minis­te­ri­um ver­wi­ckelt gewe­sen war.

In den1980er-Jah­ren wur­den in Japan rund 1’800 Pati­en­ten mit unbe­han­del­ten HIV-kon­ta­mi­nier­ten Blut­pro­duk­ten ange­steckt, obwohl zu dem Zeit­punkt das Aids-Virus bereits durch eine Erhit­zungs­me­tho­de hät­ten besei­tigt wer­den können.

Kan ver­öf­fent­lich­te die belas­ten­den Doku­men­te, was ihm in der Bevöl­ke­rung viel Sym­pa­thie ein­brach­te. Poli­to­lo­gen spre­chen heu­te davon, dass er als ers­ter Minis­ter der all­mäch­ti­gen japa­ni­schen Büro­kra­tie ein Bewusst­sein der Rechen­schafts­pflicht einimpfte.

Der Neu­start

Zusam­men mit sei­nem Par­tei­kol­le­gen Yukio Hatoy­a­ma grün­de­te er 1996 schliess­lich die Demo­kra­ti­sche Par­tei Japans, mit der sie 2009 einen his­to­ri­schen Wahl­er­folg fei­er­ten und die LDP von der Macht verdrängten.

Als Vor­sit­zen­der zwi­schen 1996 und 1999 form­te Kan die DPJ zur stärks­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei. Zwi­schen 2002 und 2004 über­nahm er noch ein­mal den Pos­ten des Parteichefs.

2009 wur­de Kan schliess­lich zum stell­ver­tre­ten­den Pre­mier­mi­nis­ter und Minis­ter des natio­na­len Stra­te­gie­bü­ros ernannt. Im Janu­ar 2010 über­nahm er den Pos­ten des Finanzministers.

Skan­da­le

Doch auch Kan ist nicht der Sau­ber­mann, wie sich dies vie­le DPJ-Wäh­ler wün­schen. So wur­de ihm 1999 ein Sex-Skan­dal mit einer Fern­seh­mo­de­ra­to­rin ange­las­tet, den er zwar wie­der­holt demen­tier­te, der sei­nen Ruf aber nach­hal­tig schä­dig­te. Zudem ver­pass­te er es wie­der­holt Ein­zah­lun­gen in die staat­li­che Pen­si­ons­kas­se zu leis­ten, was ihm zwei­mal den Vor­sitz kos­te­te. ja.

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