Straf­tä­ter oder Held?

Der Moment des Zusam­men­stos­ses: Das publik gemach­te Video.

Ein Ange­stell­ter der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che hat gestan­den, das Video der Kol­li­si­on zwi­schen dem chi­ne­si­schen Fisch­kut­ter und dem japa­ni­schen Mari­ne­schiff heim­lich kopiert und auf das Video­por­tal You­tube hoch­ge­la­den zu haben. Der Betrof­fe­ne hat sein Han­deln gegen­über sei­nem Vor­ge­setz­ten zuge­ge­ben. Er ist Mit­glied der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che in Kobe und war zur Zeit des Geständ­nis­ses noch im Ein­satz auf See. Dies teil­te der Küs­ten­wa­chen­chef Hisayasu Suzu­ki dem Par­la­ment mit.

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Die Staats­an­walt­schaft hat ange­kün­digt, den Ver­däch­ti­gen nach sei­ner Ankunft in Kobe zu ver­hö­ren. Nur weni­ge Stun­den zuvor hat­ten die Behör­den noch im Haupt­quar­tier von Goog­le Japan, dem Eigen­tü­mer von You­tube, Daten zum Video beschlag­nahmt. Ermitt­lun­gen hat­ten dar­auf­hin erge­ben, dass das Video von einem Inter­net-Café in Kobe aus hoch­ge­la­den wur­de, schreibt die Mai­ni­chi Shim­bun. Wie das Video von der Küs­ten­wa­che Oki­na­was, die die Auf­nah­men gemacht hat­te, nach Kobe gelang, ist indes unklar.

Ungüns­ti­ger Zeitpunkt

Ins­ge­samt 44 Minu­ten des Vor­falls vom 7. Sep­tem­ber 2010 in den Gewäs­sern der Sen­ka­ku-Insel­grup­pe wur­den auf das Video­por­tal You­tube hoch­ge­la­den. Das Video wur­de als streng ver­trau­lich von den Behör­den klas­si­fi­ziert und ledig­lich den Unter­su­chungs­be­hör­den und Abge­ord­ne­ten gezeigt. Die ille­ga­le Ver­öf­fent­li­chung droh­te die bereits ange­schla­ge­nen Bezie­hun­gen zu Chi­na zusätz­lich zu belasten.

Die Staats­an­walt­schaft hat­te in der Fol­ge eine Straf­un­ter­su­chung ein­lei­ten las­sen. Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan war gezwun­gen, sich vor dem Par­la­ment für den Vor­fall zu ent­schul­di­gen. Die Regie­rung sei in die­ser Bezie­hung unvor­sich­tig vor­ge­gan­gen. Zudem kommt die Ver­öf­fent­li­chung der ver­trau­li­chen Auf­nah­men nur weni­ge Tage vor dem Tref­fen der APEC-Län­der im japa­ni­schen Yoko­ha­ma. Auch der chi­ne­si­sche Prä­si­dent Hu Jin­tao wird anwe­send dann sein. Zuvor waren Gesprächs­ver­su­che auf rang­höchs­ter Ebe­ne bei Gip­fel­tref­fen in Brüs­sel und Hanoi gescheitert.

«Ver­haf­ten Sie ihn bit­te nicht!»

Der Mann der Küs­ten­wa­che hat unter­des­sen Unter­stüt­zung von uner­war­te­ter Sei­te erhal­ten. Kurz nach sei­nem Geständ­nis soll die japa­ni­sche Küs­ten­wa­che über 500 Tele­fo­na­te und 700 E-Mails aus der Bevöl­ke­rung erhal­ten haben, berich­tet die Asahi Shim­bun. Mit Bit­ten wie «Ver­haf­ten Sie ihn bit­te nicht!», «Stoppt die Ver­bre­cher­jagd!» oder «Der Mann hat kei­nen Feh­ler gemacht» hat die über­wie­gen­de Mehr­heit ihre Sym­pa­thie gegen­über dem Täter aus­ge­drückt. Ande­re kri­ti­sie­ren den Umgang der Behör­den mit You­tube. Mit der Durch­su­chung wür­den die Rech­te der Bür­ger beschnitten.

Dass gegen den Geset­zes­über­tre­ter von der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che tat­säch­lich ein Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wer­de, bezwei­felt ein Staats­an­walt gegen­über der Asahi Shim­bun. «Gegen den chi­ne­si­schen Fisch­kut­ter-Kapi­tän, der das japa­ni­sche Mari­ne­schiff gerammt hat, wur­de kein Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet», bemerkt der Staats­an­walt. «Wenn wir nun einen japa­ni­schen Staats­be­diens­te­ten auf die Ankla­ge­bank set­zen, wird dies die Bevöl­ke­rung kaum ver­ste­hen.» ja.

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