Wie Weih­nach­ten nach Japan kam

flickr/​shibuya 246Da freut sich das Kind: Weih­nach­ten in Japan.

Weih­nach­ten wird heut­zu­ta­ge selbst in Län­dern gefei­ert, wo das Chris­ten­tum kei­ne tie­fen Wur­zeln geschla­gen hat. Die Glo­ba­li­sie­rung und die damit ein­her­ge­hen­de Ver­mark­tung weih­nacht­li­cher Gebor­gen­heit macht es mög­lich. Auch in Japan, wo nicht ein­mal 1 Pro­zent Chris­ten leben, hat das hei­li­ge Fest seit Jahr­zehn­ten einen fes­ten Platz.

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Der 23. Dezem­ber, der Geburts­tag des aktu­el­len Kai­sers, ist ein natio­na­ler Fei­er­tag. Hei­lig­abend bie­tet sich daher auch für die Japa­ner als ein idea­ler Tag für ein Fest am Ende des Jah­res an. Doch wie genau gelang­te die­ser christ­li­che Brauch in ein Land von Bud­dhis­ten und Shintoisten?

Das Chris­ten­tum kam Mit­te des 16. Jahr­hun­dert durch por­tu­gie­si­sche Mis­sio­na­re, dar­un­ter Fran­cix Xavier, in die Hafen­stadt Naga­sa­ki. Sei­ne schnel­le Ver­brei­tung wur­de jedoch als­bald durch den Feld­her­ren und Lan­des­ei­ni­ger Toyo­to­mi Hideyo­shi und spä­ter durch die Herr­schaft des Toku­ga­wa-Clans, der bis 1868 Japan mit einer Iso­la­ti­ons­po­li­tik regier­te, unter­bun­den. Die japa­ni­schen Chris­ten wur­den gezwun­gen ihrem Glau­ben abzu­schwö­ren. Ledig­lich eine klei­ne Grup­pe prak­ti­zier­te im Ver­steck­ten ihre Reli­gi­on weiter.

Ers­te Erfahrungen

Erst mit der Öff­nung und der Moder­ni­sie­rung des Lan­des ab 1868 wur­de auch die Reli­gi­ons­frei­heit ein­ge­führt. Es war die rei­che und gebil­de­te Schicht der Japa­ner, die Ende des 19. Jahr­hun­derts erst­mals mit der euro­päi­schen Weih­nachts­kul­tur in Berüh­rung kamen, indem sie in Deutsch­land, Frank­reich oder Gross­bri­tan­ni­en zu Stu­di­en­zwe­cken ver­weil­ten oder mit Aus­län­dern in Japan verkehrten.

Bereits zu die­ser Zeit wuss­ten ers­te japa­ni­sche Händ­ler den Weih­nachts­brauch zu kom­mer­zi­el­len Zwe­cken zu nut­zen. Die damals ent­ste­hen­de Pres­se mach­te schliess­lich die west­li­che Tra­di­ti­on einem grös­se­ren Publi­kum bekannt. Mit der Mili­ta­ri­sie­rung des Lan­des und dem Zwei­ten Welt­krieg ver­schwand jedoch Weih­nach­ten aus dem japa­ni­schen All­tag. Zu sehr wur­de es mit dem Feind in Ver­bin­dung gebracht.

Der Kom­merz steht im Vordergrund

Erst die ame­ri­ka­ni­sche Besat­zung kom­bi­niert mit der Hoch­wachs­tums­pha­se ab den 1960er-Jah­ren eta­blier­te Weih­nach­ten voll­ends als fei­er­li­chen Tag. Der Kom­merz steht dabei im Vor­der­grund. Einen tra­di­tio­nel­len Ablauf für die­sen Tag gibt es nicht. So nut­zen die jun­gen Japa­ner den 24. Dezem­ber für einen roman­ti­schen Abend mit dem Part­ner. Schmu­cke Restau­rants und Hotel­zim­mer sind zu die­ser Zeit rest­los aus­ge­bucht. Ähn­lich wie der Valen­tins­tag eig­net sich Hei­lig­abend auch dazu sei­ne Lie­bes­ge­füh­le zu offen­ba­ren. Eine roman­ti­sche Ein­la­dung für jenen Tag hat in Japan daher eine tie­fe­re Bedeutung.

Fami­li­en mit Kin­dern nut­zen die Weih­nachts­zeit zum gemüt­li­chen fami­liä­ren Zusam­men­sein. Ein gemein­sa­mes Essen bei Ken­tu­cky Fried Chi­cken gehört für vie­le zur all­jähr­lich wie­der­keh­ren­den Gewohn­heit. KFC gene­riert allei­ne im Dezem­ber 20 Pro­zent des Gesamt­um­sat­zes (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es ist ein Brauch, der sich in den 1970ern eta­bliert hat­te. Auch der der Kauf eines Weih­nachts­ku­chens mit Schlag­sah­ne und Erd­bee­ren beim Kon­di­tor gehört ins Pro­gramm einer Familie.

Neu­jahr als wich­ti­ge­res Fest

Das Neu­jahrs­fest hin­ge­gen ähnelt mehr dem west­li­chen Kon­zept einer Weih­nachts­fei­er. Dann ver­brin­gen die aller­meis­ten Japa­ner einen beschau­li­chen Abend im Rah­men der Fami­lie, dem gewöhn­lich ein Tem­pel- oder Schrein­be­such folgt.

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