Wenn der Fami­li­en­na­me im Weg steht

flick­r/-juli­a­nol-Wer darf den Namen behal­ten? Hoch­zeits­paar im Mei­ji-Schrein in Tokio.

Hei­ra­tet man in Japan, muss sich das Ehe­paar auf einen Fami­li­en­na­men ver­stän­di­gen. In den meis­ten Fäl­len ist es der Name des Ehe­man­nes. Hat die Fami­lie der Ehe­frau kei­nen männ­li­chen Erben, kommt es vor, dass der Ehe­mann den Fami­li­en­na­men sei­ner Braut annimmt. Doch dies ist eher die Aus­nah­me als die Regel. Einen Dop­pel­na­men wie in west­li­chen Län­dern gibt es nicht. Japan ist gar das ein­zi­ge Land der G-8-Gemein­schaft, das am Prin­zip eines ein­zi­gen Fami­li­en­na­mens fest­hält. Als Fol­ge davon, wür­den vie­le Paa­re in Japan auf eine Regis­trie­rung ihrer Part­ner­schaft gänz­lich ver­zich­ten, wie das Wall Street Jour­nal schreibt.

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Gemäss der Nach­rich­ten­agen­tur Kyo­do könn­te nun eine Kla­ge von 5 Per­so­nen beim Bezirks­ge­richt Tokio zu einer Anpas­sung der Gesetz­ge­bung per Gerichts­ent­scheid füh­ren. Die Grup­pe beklagt, dass der Arti­kel 750 des Zivil­ge­setz­bu­ches, in dem die Not­wen­dig­keit eines ein­zi­gen Fami­li­en­na­mens fest­ge­schrie­ben ist, gegen die Prin­zi­pi­en der Ver­fas­sung ver­stos­se. Denn im Arti­kel 13 und 14 der Ver­fas­sung heisst es, dass «alle Men­schen als Indi­vi­du­en respek­tiert wer­den müs­sen» und «Ehe­mann und Ehe­frau die glei­chen Rech­te haben». Der Zwang sich bei der Hoch­zeit auf einen ein­zi­gen Fami­li­en­nah­men fest­le­gen zu müs­sen, wider­spre­che die­sen bei­den Artikeln.

Ein altes Problem

Poli­ti­sche Vor­stös­se, die gel­ten­den Fami­li­en­ge­set­ze zu ändern, gab es bereits in der Ver­gan­gen­heit. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei Japans (DPJ) hat seit ihrer Grün­dung eine Anpas­sung des ent­spre­chen­den Geset­zes­ar­ti­kels zu einem ihrer Zie­le erklärt. In der Oppo­si­ti­on schei­ter­te sie regel­mäs­sig am Wider­stand der Libe­ral­de­mo­kra­ten (LDP). Als die DPJ im August 2009 erst­mals an die Macht kam, schien der Weg für ein libe­ra­le­res Fami­li­en­ge­setz frei zu sein.

Die dama­li­ge Jus­tiz­mi­nis­te­rin Kei­ko Chi­ba liess einen Geset­zes­ent­wurf for­mu­lie­ren, der es ver­hei­ra­te­ten Paa­ren erlau­ben wür­de, unter­schied­li­che Fami­li­en­na­men zu haben (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zusätz­lich wür­de die Erb­be­schrän­kung unehe­li­cher Kin­der auf­ge­ho­ben und der Frau eine erneu­te Hei­rat bereits 100 Tage – und nicht wie bis­lang 6 Mona­te – nach der Schei­dung erlaubt werden.

Das Veto von Kamei

Die regie­ren­de DPJ schei­ter­te letz­tes Jahr jedoch am Wider­stand des Koali­ti­ons­part­ners. Der dama­li­ge Minis­ter für den Finanz­sek­tor, Shi­zu­ka Kamei von der Neu­en Volks­par­tei, droh­te bei einer Annah­me eines neu­en Fami­li­en­ge­set­zes mit einem Aus­tritt sei­ner Par­tei aus der Regie­rung. Der Geset­zes­ent­wurf fand somit sein vor­läu­fig unrühm­li­ches Ende.

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