wiki­me­diaGegen das Ver­ges­sen: Ame­ri­ka­ni­sche und japa­ni­sche Sol­da­ten geden­ken in einer gemein­sa­men Zere­mo­nie auf Iwo Jima den Opfern der Schlacht von 1945.
wiki­me­diaAme­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten his­sen auf Iwo Jima ihre Nationalflagge.

Der japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan gedach­te die­se Woche in einer Zere­mo­nie in Tokio den Opfern der Schlacht um Iwo Jima im Zwei­ten Welt­krieg. Spä­tes­tens seit den Fil­men Flags of Our Fathers und Let­ters from Iwo Jima von US-Regis­seur Clint East­wood ist die Insel im Pazi­fik auch einer jün­ge­ren Gene­ra­ti­on im Wes­ten ein Begriff.

Auf einem win­zi­gen Eiland im Pazi­fik, 1100 Kilo­me­ter vor Tokio, fand zwi­schen dem 19. Febru­ar und 26. März 1945 eine der blu­tigs­ten Schlach­ten zwi­schen japa­ni­schen und ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten statt. Das Foto, auf dem US-Mari­nes auf dem Berg Suri­ba­chi die ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge hiss­ten, wur­de zu einem der meist ver­wen­de­ten Sym­bol­bil­der des Zwei­ten Welt­krieg. Sein Sujet wur­de auf dem Sol­da­ten­fried­hof in Arling­ton in Form einer Sta­tue verewigt.

Stra­te­gisch wich­ti­ge Insel

Ange­führt von Gene­ral Tada­mi­chi Kuri­ba­ya­shi ver­schanz­ten sich die japa­ni­schen Sol­da­ten in einem kom­ple­xen Höh­len­sys­tem der Insel. Am Ende ver­lo­ren die Japa­ner 21’570 Sol­da­ten, ledig­lich 216 Män­ner über­leb­ten und bega­ben sich in ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Die Ame­ri­ka­ner ande­rer­seits hat­ten 6821 Ver­lus­te zu beklagen.

Die Bereit­schaft zu die­sem hohen Blut­zoll war mit der stra­te­gisch wich­ti­gen Bedeu­tung der Insel zu erklä­ren. Die Japa­ner auf Iwo Jima konn­ten die ame­ri­ka­ni­schen Bom­ber­flot­ten, die von Sai­pan aus Rich­tung japa­ni­sches Fest­land flo­gen, früh erken­nen und Tokio ent­spre­chend vor­war­nen. Mit der US-Erobe­rung von Iwo Jima kehr­ten sich die Vor­zei­chen. Nun konn­ten die USA ihren B-52-Bom­bern beim Luft­an­griff auf Tokio Jagd­flug­zeu­ge als Begleit­schutz zur Ver­fü­gung zu stel­len. Damit war der Weg frei für den unge­hin­der­ten Luft­an­griff auf die japa­ni­sche Hauptstadt.

Japans Bemü­hun­gen

66 Jah­re spä­ter wer­den noch immer die Über­res­te von 13’000 gefal­le­nen japa­ni­sche Sol­da­ten auf Iwo Jima ver­misst. Inspi­riert durch Clint East­woods Film­rei­he, er erhielt in Japan dafür eine Ehrung (Asi­en­spie­gel berich­te­te), star­te­te die Regie­rung Kan im letz­ten Juli, in Zusam­men­ar­beit mit den Ame­ri­ka­nern, eine Mis­si­on zur Ent­de­ckung aller ver­miss­ten japa­ni­schen Todesopfer.

Die Arbeit hat innert weni­ger Mona­te ers­te Erfol­ge ein­ge­bracht. Mit der Aus­he­bung von 2 Mas­sen­grä­bern konn­ten im letz­ten Jahr rund 822 sterb­li­che Über­res­te von japa­ni­schen Sol­da­ten repa­tri­iert wer­den. Pre­mier­mi­nis­ter Kan ver­sprach den Ange­hö­ri­gen an der Zere­mo­nie in Tokio, die Mis­si­on bis zum Ende wei­ter­zu­füh­ren: «Es ist die Pflicht unse­res Lan­des, die Arbeit mit aller Gründ­lich­keit fort­zu­set­zen», zitiert ihn die Yomi­uri Shim­bun.

Eine Ges­te an das Wahlvolk

Kans Bemü­hun­gen wer­den gera­de von der älte­ren Bevöl­ke­rungs­schich­ten mit viel Wohl­wol­len betrach­tet. Selbst die regie­rungs­kri­ti­sche kon­ser­va­ti­ve Sank­ei Shim­bun lob­te in einem Leit­ar­ti­kel Nao­to Kans Mit­ge­fühl in der Akte Iwo Jima. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei des Pre­miers pflegt ansons­ten eine eher distan­zier­te Bezie­hung zu den sen­si­blen Ange­le­gen­hei­ten des Zwei­ten Welt­kriegs. So haben bis­lang bei­de Pre­mier­mi­nis­ter der Demo­kra­ten einen Besuch im umstrit­te­nen Yas­uku­ni-Schrein tun­lichst ver­mie­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Mis­si­on in Iwo Jima stellt für Nao­to Kan mit­hin den Ver­such dar, das kon­ser­va­ti­ve­re Wahl­volk für sich zu gewinnen.

Auf der klei­nen Insel selbst gibt es im übri­gen kei­ne Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen. Iwo Jima dient heu­te als klei­ner Mili­tär­stütz­punkt für die japa­ni­sche Selbst­ver­tei­di­gungs­trup­pe. Noch bis 1943 leb­ten rund 1100 Ein­woh­ner auf dem Eiland. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war Iwo Jima bis 1968 im Besitz der USA. Heu­te unter­steht die Insel wie­der der japa­ni­schen Sou­ve­rä­ni­tät. Als mili­tä­ri­sches Sperr­ge­biet braucht es zum Betre­ten von Iwo Jima eine Sondergenehmigung.