wikimedia/​JitiJitiDen nächs­ten Kar­rie­re­schritt im Visier: Die Poli­ti­ke­rin Ren­ho Murata.

Anfang April wählt Tokio sei­nen Gou­ver­neur. Es han­delt sich um die wich­tigs­te Regio­nal­wahl Japans, ent­spre­chend begehrt ist das Amt. Doch die­ses Jahr las­sen sich die poten­ti­el­len Kan­di­da­ten mehr Zeit als üblich. Denn bis­lang will nie­mand sei­ne offi­zi­el­le Kan­di­da­tur für die Wah­len bekanntgeben.

Der 78-jäh­ri­ge Shin­t­a­ro Ishiha­ra lei­tet seit 1998 die Geschi­cke der Haupt­stadt. Der Schrift­stel­ler und ehe­ma­li­ge Preis­trä­ger des renom­mier­ten Aku­taga­wa-Lite­ra­tur­prei­ses gilt als pro­vo­ka­tiv, direkt und scho­nungs­los (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Obwohl unab­hän­gig, weiss Ishiha­ra mit sei­ner kon­ser­va­ti­ven Poli­tik einen Gross­teil der ehe­ma­li­gen Regie­rungs­par­tei der Libe­ral­de­mo­kra­ten (LDP) hin­ter sich. Noch lässt er jedoch offen, ob er noch ein­mal antre­ten wird. Bis zum 24. März hat er Zeit, um sich zu ent­schei­den. Dann beginnt der 17-täti­ge offi­zi­el­le Wahlkampf.

Ein Komi­ker für Tokio

Nur schon aus die­sem Grund ist das dies­jäh­ri­ge Ren­nen um den Gou­ver­neurs­sitz so offen wie seit Jah­ren nicht mehr. Gleich vier eta­blier­te Kan­di­da­ten wer­den als mög­li­che Her­aus­for­de­rer des alten Polit­ha­sen Ishiha­ra genannt. So könn­ten es so gestan­de­ne Män­ner wie Yoi­chi Masu­zoe von der Renais­sance Par­tei oder Vize-Gou­ver­neur Nao­ki Ino­se ver­su­chen, zu den neu­en Vor­ste­hern der Metro­po­le zu werden.

Für mehr Auf­merk­sam­keit wird zwei­fel­los der ehe­ma­li­ge Gou­ver­neur der Prä­fek­tur Miya­za­ki, Hideo Higa­shi­ko­ku­ba­ru, sor­gen. Der frü­he­re Komi­ker an der Sei­te von Take­shi Kita­no will zurück in die Haupt­stadt. «Die Ent­schei­dung, ob ich als Kan­di­dat für die Gou­ver­neurs­wah­len von Tokio antre­ten wer­de, ist zu 90 Pro­zent gefal­len», sag­te Higa­shi­ko­ku­ba­ru am 20. Janu­ar 2011 gegen­über sei­nen Anhän­gern (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ob er kan­di­die­ren wird, bleibt offen. Die Asahi Shim­bun meint über anony­me Quel­len zu wis­sen, dass der ehe­ma­li­ge Komi­ker bereits an einem Regie­rungs­pro­gramm arbei­tet. Gleich­zei­tig spe­ku­liert Higa­shi­ko­ku­ba­ru mit vor­zei­ti­gen Neu­wah­len fürs japa­ni­sche Unterhaus.

Ishiha­ras gröss­te Konkurrenz

Für die meis­ten Spe­ku­la­tio­nen sorgt aber eine ganz ande­re Per­son. So brach­te sich Ren­ho Mura­ta, die Minis­te­rin für Ver­wal­tungs­re­for­men in der aktu­el­len Regie­rung unter Nao­to Kan und Mit­glied des Ober­hau­ses für die Demo­kra­ti­sche Par­tei (DPJ), vor einem Monat gleich selbst ins Spiel: «Soll­te ich für den Pos­ten ange­fragt wer­den, habe ich als Poli­ti­ke­rin die Pflicht, mir eine Kan­di­da­tur gut zu über­le­gen», wur­de Ren­ho in der Yomi­uri Shim­bun zitiert. Noch im Okto­ber hat­te sie eine Gou­ver­neurskan­di­da­tur abgelehnt.

Für die Demo­kra­ti­sche Par­tei wäre Ren­ho die Chan­ce, um auch in der Haupt­stadt Fuss zu fas­sen. Ihre Chan­cen für eine Wahl zur Gou­ver­neu­rin wären hoch. Sie ist der neue Polit­star Japans (Asi­en­spie­gel berich­te­te).Die Poli­ti­ke­rin mit tai­wa­ni­schen Wur­zeln geniesst gera­de in urba­nen Gebie­ten viel Unter­stüt­zung. Bei den Ober­haus­wah­len im Juli 2010 erhielt Ren­ho von ihrem Tokio­ter Wahl­kreis 1,7 Mil­lio­nen Stim­men. Es war ein his­to­ri­scher Erfolg für die auf­stre­ben­de Poli­ti­ke­rin (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ishiha­ra will DPJ-Erfolg verhindern

«Wenn Ren­ho kan­di­diert wird es schwie­rig», gibt selbst eine Quel­le der LDP gegen­über der Asahi Shim­bun zu. Ren­ho sei auch der Grund, wes­halb es sich Ishiha­ra über­haupt noch ein­mal über­le­ge, für eine 4. Amts­zeit zu kan­di­die­ren. Ursprüng­lich woll­te der Gou­ver­neur nach 12 Jah­ren auf­hö­ren, doch der unab­hän­gi­ge Poli­ti­ker will auf jeden Fall einen Erfolg für die DPJ verhindern.

Die LDP hat zusam­men mit der New Kom­ei­to eine Mehr­heit im Tokio­ter Prä­fek­tur­par­la­ment. Mit Ishiha­ra hät­te sie einen Kan­di­da­ten, der ihre Poli­tik unter­stüt­zen wür­de. Noch hält sich der Gou­ver­neur ver­deckt. Er wür­de nicht ein­mal auf Anfra­ge des Kai­sers sei­ne Absicht kund­tun, sag­te er in einem Fern­seh­in­ter­view. Ein Abge­ord­ne­te im Tokio­ter Par­la­ment meint dies­be­züg­lich: «Ishiha­ra wird nur antre­ten, wenn er reel­le Chan­cen sieht, wie­der­ge­wählt zu werden.»