Gespal­te­ne Schuhe

flickr/​istolethetvAn die Arbeit: Ein Bau­ar­bei­ter in Japan.
flickr/​LydiatHand­wer­ker tra­gen Jika-Tabi.

Tabi nen­nen sich die japa­ni­schen Socken, bei denen der gros­se Zeh von den rest­li­chen Zehen getrennt ist. Aus die­sem Grund wer­den die knö­chel­ho­hen Trag­stof­fe im Deut­schen ger­ne als Zehen­so­cken bezeich­net. Erfun­den wur­den die Tabi zur Nut­zung der soge­nann­ten Geta oder Zori. Weil die­se tra­di­tio­nel­len japa­ni­schen Schuh­wer­ke aus zwei Rie­men bestehen, die zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Zeh hin­durch­lau­fen, muss­ten auch die Socken ent­spre­chend geschnei­dert werden.

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Wäh­rend Tabi und Geta ein­zig noch zu japa­ni­schen Tra­di­ti­on­s­klei­dern wie dem Kimo­no getra­gen wer­den, sind die aus robus­te­ren Soh­len her­ge­stell­ten Jika-Tabi noch heu­te unter Han­der­wer­kern, Bau­ar­bei­tern oder Gärt­nern rege in Gebrauch. Erfin­der die­ser ein­zig­ar­ti­gen Arbei­ter­schu­he war Sho­ji­ro Ishi­ba­shi, der Grün­der des heu­ti­gen Rei­fen­her­stel­lers Brid­gestone.

Obwohl es von den Jika-Tabi heut­zu­ta­ge moder­ne Ver­sio­nen mit unbieg­sa­men Soh­len und schüt­zen­den Stahl­kap­pen für die Zehen gibt, bevor­zu­gen immer noch vie­le Arbei­ter die Urver­si­on, die Ishi­ba­shi Anfang des 20. Jahr­hun­derts ent­wi­ckelt hat­te. Denn gera­de auf Bau­ge­rüs­ten ist ein gutes Fuss­ge­fühl manch­mal lebenswichtig. 

Vom Arbei­ter- zum Marathonschuh

Die 1949 gegrün­de­te japa­ni­sche Schuh­mar­ke Onit­suka ent­deck­te schliess­lich die Vor­tei­le des Jika-Tabi für das Lau­fen. So ent­wi­ckel­te sie unter der Ägi­de von Grün­der Kiha­chi­ro Onit­suka 1953 den Mara­thon Tabi, den ers­ten Zehen­schuh für Lang­stre­cken­läu­fer. Die­ser Klas­si­ker erlebt inzwi­schen ein Revi­val. Der Oka­ta­bi MT aus einem Schaft aus Wild­le­der und plat­ten Gum­mi­soh­len soll eine neue Gene­ra­ti­on von Zehen­lieb­ha­bern und Bar­füs­sern begeistern.

Foto: PDDie Neu­krea­ti­on von Onit­suka: Oka­ta­bi MT.

Die­se Neu­erfin­dung in einer limi­tier­ten Auf­la­ge von 560 Paar Schu­hen, ist jedoch weni­ger fürs Ren­nen als für den nor­ma­len, modi­schen Stadt­spa­zier­gang gedacht. «Die Kun­den sind über­rascht, wie leicht sich die­se anfüh­len. Es ist so, als wür­de man Socken tra­gen», erklärt Aki­ko Suzu­ki vom Sport­aus­rüs­ter ASICS, dem Mut­ter­haus von Onit­suka, gegen­über der Asahi Shim­bun.

Der Socken mit fünf Zehen

Aus dem Zehen­so­cken ent­stand schliess­lich auch die Idee eines Fünf­ze­hen­so­ckens. In den 70er-Jah­ren und noch ein­mal in den 90er-Jah­ren genos­sen die­se modi­schen Krea­tio­nen regel­rech­te Boom­pha­sen. Heu­te sind die Fünf­ze­hen­so­cken in jedem grös­se­ren Mode­la­den in Japan erhält­lich. Ihre Trä­ger ver­wei­sen auf ein bes­se­res Fuss­ge­fühl und den Vor­teil, dass sich mit getrenn­ten Zehen Fuss­pilz bes­ser ver­hin­dern lasse.

Das neue Barfussgefühl

Die Zehen­krea­ti­vi­tät macht dabei nicht nur in Japan halt. Auch die ita­lie­ni­sche Fir­ma Vibram liess sich von den Tabi und Fünf­ze­hen­so­cken inspi­rie­ren. Aus den Tabi und den Fünf­ze­hen­so­cken ent­wi­ckel­te die ita­lie­ni­sche Fir­ma Vibram die soge­nann­ten Fivefin­gers, Fünf­ze­hen-Schu­he für den sport­li­chen Gebrauch. Das Time Maga­zin kür­te die­se Schuh­krea­ti­on zu den bes­ten Erfin­dun­gen des Jah­res 2007. Die japa­ni­sche Fir­ma MK Corp ent­wi­ckel­te der­weil mit dem Glo­be einen ähn­li­chen Schuh für Spaziergänger.

Die Schuh­in­spi­ra­tio­nen aus Japan set­zen auf den Boom des Mini­ma­list Run­ning, bei dem das Bar­fuss­ge­fühl im Vor­der­grund steht: Kein Gewicht, kein auf­wen­dig struk­tu­rier­ter Schaft, kei­ne Fer­sen­kis­sen und mög­lichst viel Fle­xi­bi­li­tät für die Füs­se. Der Fuss soll wie­der sel­ber arbei­ten. Kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be für die Gene­ra­tio­nen, deren Zehen und Fer­sen über Jahr­zehn­te mit Luft­kis­sen­pols­ter und dicken Soh­len ver­wöhnt wurden.

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